Institut befand, als bis mein Schnlgenosse gleichermaßen vorbereiterWäre, da sie die Absicht hatte, die Plane des Geistlichen, der seinenSohn für die Kirche zu erziehen wünschte, dadurch zu befördern,daß sie Letzterem jede zn einer vollständigen Ausbildung erforderlicheUnterstützung angedeihen ließ. — Dieser Aufschub, so gut er auchgemeint war, hatte doch eine völlige Veränderung meines ganzenspäteren Lebenslaufes zur Folge.
Wie mir scheint, hatte mein Vater gewünscht, mich die Rechte stn-diren zu lassen, in dem natürlichen Verlangen, seinen Sohn einst aufeinem ehrenvollen Staatsposten zn sehen. Ich aber war jeder ernstenGeistesarbeit abgeneigt und freute mich nicht wenig, als meine Muttermich erst ein Jahr später ins Kollegium zn schicken beschloß, um mirFreund Ruprecht als Schulkameraden beizugebeu. Ich lernte aller-dings leicht und rasch und las auch sehr gerne; allein das Erstewar nicht gerade mein Verdienst, da ich mir nie sonderliche Mühegab, und in der Lektüre liebte ich von jeher mehr, was unterhielt,als was belehrte.
Ruprecht dagegen war zwar nicht gerade stumpfsinnig, scheuteaber geistige Anstrengung noch mehr als ich selbst, und wenn erauch in gewissen Dingen wieder recht geschickt war, so schien ihmdoch jede Art von Selbstbeschränkung rein unerträglich. Sein Vaterwar von Herzen fromm und hegte zu große Ehrfurcht vor seinemheiligen Amte, als daß er daran gedacht hätte, seinen Sohn dazuzwingen zu wollen, so ernstlich er auch betete und hoffte, daß dessenNeigungen mit Hülfe der Vorsehung eine solche Richtung einschla-gen möchten. Er sprach zwar selten über diesen Gegenstand, alleindurch meine vertranten Unterredungen mit seinen Kindern konnte ichmich bald von seinen Wünschen überzeugen. Lucy schien entzückt vondem Gedanken, ihren Bruder einst an demselben Betpulte Gottesdiensthalten zn sehen, wo Vater und Großvater seit mehr als einemhalben Jahrhundert ihre Gemeinde zur Verehrung des Herrn geführthatten — ei» Zeitraum, der, wie es uns jungen Leuten däuchtc,