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29 (1854) Die Seelöwen, oder die verlornen Robbenjäger : Roman
Entstehung
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456
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neu Meilen nicdcrschossen. Wer und was war das furchtbare We-sen, furchtbar in seiner Majestät und Gerechtigkeit, aber uner-schöpflich in Liebe und Gnade, welches diese tausend Weltennach seinem Gefallen schuf und zertrümmert? Und was war erselbst, der die Anmaßung hatte, seine» jämmerlichen Vernunftstolzeiner durch Wunder gestützten Offenbarung entgegenstcllen zu wol-len, welche, als von Gott begeisterten Männern überliefert, ange-nommen oder ganz und gar verworfen werden muß?

In dieser Gemüthsftimmnng gewann Noswcll die Ucberzengung,daß das Christenthum keinen halben Glauben znläßt, daß cs ganzwahr oder ganz falsch sei.

Und warum sollte Christus nicht Gottes Sohn sein, wie dieKirchenväter es so beharrlich und doch so einfach auSsprachen, undwie die Kirche seit achtzehn Jahrhunderten lehrte? Noswcll glaubte,daß er nach dem Ebcnbilde Gottes geschaffen worden, und seineso hoch gehaltene Vernunft sagte ihm, daß er seinen Stamm fort-pflanzen könne, und der Schöpfer sollte das nicht vermögen, wozuEr dem schwachen Menschen die Kraft gegeben?

Zum ersten Male schien ihm ein Beweis des Gegcmheils un-logisch.

Dann gedachte er der Nothwendigkcit des großen Sühnopfers.Dieser Punkt war stets ein Stein des Anstoßes für Roswcll'sGlauben gewesen. Er sah diese Nothwendigkcit nicht ein, und wolltesonach nicht daran glauben.

Hier trat die Schwäche seines Charakters hervor, eineSchwäche, welche ihn nicht cinsehcn lassen wollte, daß er weit überjener Natur, auf die er so stolz war, stehen müßte, wenn er ein so,hohes Gehcimniß begreifen wollte.

Während er über diesen Theil der Frage nachdachte, sah er sichvon tausend physischen und moralischen Geheimnissen umringt, undwurde gewahr, wie unwahrscheinlich cs sei, daß er mit den Fähig-keiten begabt worden, dieses größte aller Geheimnisse zu fassen.