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29 (1854) Die Seelöwen, oder die verlornen Robbenjäger : Roman
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Bei diesem Mondlichte hotte man Wilke's Gemälde einer zer-trümmerten Alabasterstadt ganz vor Augen. Da waren Bogenjeder Größe und Gestalt; zahllose Zinnen, Thürme, selbst Säulenund Statuen. Dazu kamen lange Linien senkrechter Mauern,welche Festungen, Spitzthürmcn, Tempeln u. s. w. glichen. Kurz,selbst die Alpen mit all ihrer cigenthümlichcn Erhabenheit bietenkeinen Anblick dar, welcher wegen seiner Ähnlichkeit mit den Ar-beiten der Menschen, und wegen der schönen Durchsichtigkeit desMaterials so merkwürdig ist. Man hat die Gletscher oft und sehrpassend mit einem gefrorenen Meere verglichen, hier aber sah mangefrorene Berge, in allen Formen und Gestalten der Kunst ausge-hauen, freilich nicht mit dem Meißel, sondern in Folge der Wirkungder ewigen Gesetze, welche sie erzeugten.

Vielleicht war Roswcll Gardiner in dieser Nacht der Einzigean Bord der beiden Schiffe, welcher die ganze außerordentlichePracht dieses Gemäldes lebendig fühlte. Bis auf einen gewissenGrad mochte auch Stephan eine Ausnahme von der Regel machen,obgleich er die Hand Gottes fast überall sah.

Es ist ein wunderbarer Anblick, Kapitän Gar'ner, nicht wahr?"sagte dieser würdige Seemann, als der Mond die Scene zu erleuch-ten begann,wunderbar in der That, wenn wir nicht wüßten, vonwem all dieß herrührt."

Diese wenigen, einfachen Worte machten aus Roswcll einen er-heiternden Eindruck und halfen sein Vertrauen auf ein möglichesGelingen steigern. Von Gott rührt Alles mittelbar oder unmittel-bar her, dieß konnten selbst seine zweiflerischen Ansichten zugestehen,und was von der göttlichen Weisheit herrührte, mußte zum Gutenführen. Er wollte Muth fassen und einmal in seinem Leben derVorsehung vertrauen. Ein solcher Entschluß muß den Muth desentschlossensten Mannes erhöhen.

Die Stürme der Südsee sollen heftig, aber kurz sein. Siedauern selten sechs und dreißig Stunden an und blasen etwa den