312 Siebenter Lag. Neunte Geschichte.
lebe ich denn in Betreff Dessen, was junge Frauen vorAllem vergnügt, wenig zufrieden; allein, indem ich danachBegehren trage, wie alle Andere, habe ich mir schon langevorgesetzt, wenn das Glück mir darin weniger ungünstiggewesen ist, daß es mir einen so alten Mann gegeben,doch nicht so meine eigne Feindin sein zu wollen, daß ichkeinen Weg zu meinem Vergnügen und zu meinem Heilzu finden wüßte. Und um meine Wünsche hierin ebensogewahrt zu sehen, wie sie es in allen andern Stückensind, habe ich beschlossen, daß unser Pyrrhus, als vorAllen der würdigste dazu, sie mit seinen Umarmungenerfülle. So groß ist meine Liebe zu ihm, daß ich michnicht wohl fühle, wenn ich ihn nicht sehe oder nicht anihn denke, und finde ich mich nicht bald und ohne Auf-schub mit ihm zusammen, so fürchte ich in der That, da-ran zu sterben. Darum, wenn mein Leben Dir lieb ist,entdecke ihm auf die Weise, die Dir die beste scheint,meine Liebe, und bitte ihn in meinem Namen, daß er zumir kommen möge, wenn ich Dich nach ihm schickenwerde."
Die Dienerin sagte dies gern zu, und sobald ihr zu-erst Zeit und Ort dazu gelegen schienen, zog sie den Pyr-rhus bei Seite und richtete ihm die Bestellung ihrer Ge-bieterin aus, so gut sie konnte. Als Pyrrhus sie ver-nahm, erstaunte ec heftig, weil er in der That noch nieetwas davon gewahr worden war, und fürchtete, die Frauließe ihm dies nur sagen, um ihn zu versuchen. Deshalberwiderte er sofort in barschem Tone: „Lusca, ich kannnicht glauben, daß diese Worte von meiner Gebieterinkommen, und deshalb siche wohl zu, was Du sagst. Ja,kamen sie auch von ihr, so kann ich nicht glauben, daßsie ihr von Herzen kamen, und wäre auch dies der Fall,so erweist mir mein Herr mehr Ehre, als ich verdiene, undbei meinem Leben möchte ich ihm nicht eine solche Schmachanthun. Aus allen diesen Ursachen hüte Dich, mir jewieder ein Wort von solchen Dingen zu sagen." — Doch