Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
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143
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Giannole di Severins entführt seine Schwester. 143

nachdem er ihm noch Mancherlei über seine Angelegenheitengesagt hatte, nebst Allem, was er besaß, seine etwa zehn-jährige Tochter und starb alsdann.

Um dieselbe Zeit geschah es aber, daß die Stadt Faenza,die lange Zeit von Krieg und Misgeschick heimgesucht wor-den war, sich einigermaßen wieder erholte und daß allenDenen, die wieder dorthin zurückkehren wollten, freie Be-fugniß dazu ertheilt ward. Dessentwegen zog denn auchGiacomino, der früher dort gewohnt hatte, und dem derAufenthalt gefiel, mit Allem, was ihm gehörte, wieder nachFaenza und nahm dabei das Mädchen, die Guidotto ihmhinterlassen und die er gleich seiner eignen Tochter liebteund pflegte, mit hinüber.

Wie das Mädchen allmalig heranwuchs, wurde sieausnehmend schon, wie damals kaum eine andere in jenerStadt zu finden war, und mit ihrer Schönheit hielten ihreSittsamkeit und ihr Anstand gleichen Schritt. Da fandensich denn natürlich manche Liebhaber ein, unter denen jedochvorzüglich zwei Jünglinge, die beide wohlerzogen und gutgeartet waren, ihr gleichmäßig die innigste Liebe zuwandtenund darüber aus Eifersucht gegeneinander den bitterstenHaß faßten. Von diesen jungen Leuten hieß der EineGiannole di Severino und der Andere Minghino di Min-zöle und keiner von ihnen beiden würde, als das Mädchen15 Jahr alt war, wenn anders ihre Angehörigen es zu-gelassen hatten, einen Augenblick angestanden haben, siezur Frau zu nehmen. Da sie aber sahen, man setze ihrenWünschen Gründe entgegen, die sie nicht zu beseitigen ver-mochten, beschloß ein Jeder von ihnen, sich auf was im-mer für eine Weise in ihren Besitz zu setzen.

Nun hatte Giacomino eine alte Magd und einen Die-ner im Hause, der Crivello hieß und ein lustiger und garumgänglicher Kautz war. Mit diesem befreundete sichGiannole und entdeckte ihm, als er glaubte, daß es ander Zeit sei, seine Liebe mit der Bitte, ihm dazu zu ver-helfen, daß er seine Wünsche erreiche; wofür er ihm auf