der Weise ihres Standes um verschiedener Geschäfte willenan jenen Ort gekommen waren. Diese geriethen einesAbends nach fröhlich beendigtem Essen auf allerhand Ge-spräche. Das Eine brachte sie auf das Andere und sokamen sie endlich auf ihre Frauen zu reden, die sie daheimgelassen. Da sagte Einer lachend' „Was meine thut, dasweiß ich nicht, so viel weiß ich aber wohl, daß, wenn mirhier ein Mädel nach meinem Geschmacks in den Wurfkommt, ich die Liebe zu meiner Frau auf der einen Seiteliegen lasse und Alles mitnehme, was ich von Jener krie-gen kann." Darauf sagte ein Anderer: „Ich mach' esebenso. Denn bilde ich mir ein, daß meine Frau sichderweile einen Zeitvertreib sucht, so thut sie's; bilde ich'smir nicht ein, so thut sie's doch. Also besser, man rechnetmiteinander ab; wie der Esel in den Wald schreit, soschalt es wieder 'raus." Die Meinung des Dritten kamaus dasselbe hinaus und mit einem Worte, die Anwesen-den schienen alle darin übereinzustimmen, daß ihre zurück-gelassenen Frauen die Zeit schwerlich ungenutzt lassenmöchten.
Nur ein Einziger, Namens Bernabo Lomellino ausGenua, sagte das Gegentheil, und versicherte, durch Gottesbesondre Gnade eins Frau zu besitzen, der alle Tugenden,die einem Weibe, und mit wenig Ausnahmen auch dieje-nigen, die einem Ritter oder Knappen geziemten, in sol-chem Grade eigen seien, wie vielleicht in ganz Italien kei-ner Andern. Denn sie sei schön von Gestalt und nochbei jungen Jahren, körperlich geschickt und rüstig und esgebe keinerlei weibliche Arbeit, wie Seidenwirken und mehrdergleichen, die sie nicht besser zu machen wisse, als irgendeine Andere. Ja es sei noch überdies kein Knappe undkein Diener zu finden, was Namen er auch haben möge,der besser und aufmerksamer als sie eine herrschaftliche Tafelzu bedienen wisse, denn sie sei in allen Dingen wohl er-zogen, umsichtig und verständig. Endlich rühmte er nochvon ihr, daß sie besser zu Pferde sitze und den Falken