Einige thaten es wohl hin und wieder/ aber bei weitem die Mehr-zahl rührte sich nicht. Sie ließ es zwar nicht an Aufmerksamkeitfehlen/ aber es war eine Art von Aufmerksamkeit, welche die Hand-lung eher für ein Schauspiel ansah, als für eine Gottesverehrung,an der man Theil nehmen müsse. Von seinem Küster verlassen,fuhr Herr Grant fort zu lesen, ohne das; sich übrigens eine Ant-wort vernehmen ließ. Er hielt die kurzen und feierlichen Pan-sen, die jeder Bitte folgten, ein, aber keine Stimme respondirtedem beredten Gebet des Geistlichen.
Elisabeth's Lippen bewegten sich, aber sic brachten keine Wortehervor. An den Gottesdienst der Kirchen in New-Aork gewöhnt,wurde ihr das Störende dieses Umstands ungemein peinlich, alsauf einmal eine leise, sanfte Frauenstimme die Worte des Priesterswiederholte: „Wir haben unterlassen diejenigen Dinge, welche wirhatten thun sollen." Verwundert, eine Person ihres eigenen Ge-schlechts an diesem Orte zu finden, die sich über die angeborneSchüchternheit erheben konnte, wandte Miß Temple ihre Augennach der Betenden, und bemerkte in kleiner Entfernung von sichselbst ein junges Frauenzimmer auf den Knieen, die ihr Gesichtdcmüthig auf ihr Gebetbuch senkte. Das Aenßere dieser Fremden —denn für Elisabeth war sie dieß im buchstäblichen Sinne desWortes — war leicht und zart, ihr Anzug nett und anständig,und ihr Gesicht weckte, trotz seiner Blässe und Ergriffenheit, durchseinen angenehmen und wehmüthigen Ausdruck eine tiefe Theiluahme.Bei einer zweiten und dritten Bitte vertrat sie gleichfalls dieStelle des Chors, als auf einmal die kräftigen Töne einer Männer-stimme von der andern Seite des Betsaales mit einstimmten. MißTemple erkannte im Augenblick die Stimme des jungen Jägers,und ihre Mutlosigkeit bekämpfend, vereinigte sie ihre schwachenLaute mit denen der beiden andern Beter.
Diese ganze Zeit über hatte Benjamin emsig in seinem Ge-betbuche geblättert, aber unglücklicher Weise die rechte Stelle