33
Der Richter wurde aus ftiueu Betrachtungen geweckt/ als erdie vier Rauchsäulen, welche über seinen eigenen Schornsteinenanfstiegen, gewahrte, und er war kaum seines Landhauses im Thalansichtig geworden, als er seiner Tochter freudig znrief:
„Sieh', Beß, dort ist dein Nnheplätzchen fiir's ganze Leben —und auch das deinige,junger Mann, wenn du bei uns wohnen willst."
Die Angen seiner Zuhörer begegneten sich unwillkürlich; undwenn das hohe Roth, das Elisabeths Antlitz umflog, im Wider-spruche mit dem kalten Ausdrucke ihrer Augen stand, so schiennickt minder das zweideutige Lächeln, das wieder um den Munddes Fremden spielte, die Wahrscheinlichkeit von dessen Einwilli-gung, einen Theil des Familienkreises zu bilden, in Abrede zu.ziehen. Die Scene, welche sich vor dem Auge aufthat, war übri-gens großartig genug, nm sogar ein weniger menschenfreundlichesHerz, als das des alten Marmadnke Temple, zu erwärmen.
Die Seite des Berges, an welcher unsere Reisenden hinnnter-snhren, war — wenn auch nicht gerade senkrecht — doch steilgenug, nm große Sorgfalt nöthig zu machen, wenn man ans demrauhen und engen Pfade, der sich an dem Abstürze hinwand, nichtverunglücken wollte. Der Neger zügelte seine ungeduldigen Rosse,und Elisabeth erhielt dadurch Zeit, eine Landschaft näher zu be-trachten, die sich unter den Händen der rührigen Menschen so schnellverwandelt hatte, daß das Mädchen nur an den allgemeinen Umrissenden Schauplatz ihrer Kinderjahre wieder erkannte, dessen Bild sie sich sooft mit Entzücken vergegenwärtigt hatte. Unmittelbar unter ihnen lageine weiße Ebene, scheinbar unterbrochen und ganz von Bergenumschlossen. Letztere waren hauptsächlich gegen den Thalgrund hi»abschüssig und mit Wald bedeckt. Lange Einschnitte in das Gebirgunterbrachen hin und wieder die Gleichförmigkeit der Umrisse,während an anderen Stellen Vorsprünge in das lange und weiteSchneeseld hereinragten, welches ohne Haus, Baum oder einensonstigen augenfälligen Gegenstand einer fleckenlosen Wolke ähnelte,
Die Ansiedler. 3