Druckschrift 
1 (1853) Der letzte Mohikan : eine Erzählung aus dem Jahre 1757
Entstehung
Seite
439
Einzelbild herunterladen
 

439

Dieses Signal weckte alle schlummernde» Leidenschaften desganzen Stammes. Hundert Jünglinge, die bisher die Scheu derJugend znrückgehalten hatte, stürzten, Wahnsinnigen gleich, ansdas Sinnbild des Feindes, und hieben Splitter um Splitter zu-sammen, bis von dem Stamme nichts mehr als die Wurzel» inder Erde übrig war. Während dieses Tumults wurden an deneinzelnen Ueberrcsten des Baumes alle Greuelthaten des Kriegs,wie cs schien, mit einer Wnth verübt, als ob sie die lebendigenOpfer ihrer Grausamkeit wären. Die Einen wurden skalpirt, dieAndern erhielten Streiche mit der scharfen, blinkenden Axt, wie-der Andere erlitten Stöße von dem tödtenden Messer. Kurz, derEifer und die wilde Freude waren so groß und unzweideutig,daß man wohl erkannte, die Unternehmung werde zu einem Kriegeder ganzen Nation werden.

Sobald Uneas den Streich geführt hatte, trat er ans demKreise und warf sein Auge nach der Sonne empor, welche ebenden Punkt erreichte, wo der Waffenstillstand mit Magna zu Endeging. Ein entsprechendes Geschrei verkündete den Augenblick,und die ganze tobende Menge verließ unter durchdringendenFrendenrnfen ihr mimisches Kampfspicl, um sich für die gefähr-lichere Wirklichkeit vvrznbereiten.

Augenblicklich war das ganze Lager wie umgewandelt. DieKrieger, bereits bewaffnet und bemalt, wurden so stumm, als obsie keines ungewöhnlichen Ausdrucks ihrer Gemüthsbewegnng fähigwären. Dagegen stürzten die Frauen ans ihren Wohnungen, ab-wechselnd Gesänge der Freude und der Klage erhebend, in so selt-samem Gemisch, daß man schwer sagen kvnnte, welche Empfindungdie vorherrschende sei. Keine war jedoch müssig. Die Einentrugen ihre kostbarste Habe, Andere ihre Kinder, wieder Anderealte und gebrechliche Personen in den Wald, der wie ein glänzendgrüner Teppich die Ansteignng des Berges bedeckte. Hierher be-gab sich auch Tamennnd mit ruhiger Fassung nach einer kurzen