Dreißigstes Kapitel.
Wenn Jhr's mir weigert, pfui auf Eu'r Gesetz,Dann sind Venedigs UrLhcil' ohne Kraft:
Ich will mein Recht; antworte, soll ich's haben?
Shakespeare.
blanche ängstliche Minute» dauerte das Stillschweigen undkein Menschenlant unterbrach es. Dann öffnete sich die wogendeMenge, schloß sich wieder und Uncas stand in dem Kreise derVersammelten. Aller Angen, welche bisher i» den Gesichtszngendes Weisen, als dem Born ihrer Einsicht, neugierig geforscht hat-ten, wandten sich jetzt und hafteten in stiller Bewunderung aufder hohen, geschmeidigen, tadellosen Gestalt des Gefangenen.Aber weder die ganze Umgebung, noch die ausschließliche Auf-merksamkeit, die er auf sich zog, störte die Selbstbeherrschung desjungen Mohikaners. Er warf einen bedächtigen, beobachtendenBlick nm sich her und begegnete dem entschiedenen feindseligenAusdruck der Häuptlinge mit derselben Ruhe, wie dem neugieri-gen Gaffen der Kinder. Als aber sein stolzes und forschendesAuge zuletzt auf Tamennnd fiel, blieb es ruhen, als ob alle an-dern Gegenstände vergessen wären. Dann trat er mit leisem, ge-räuschlosem Schritt auf dem Platze vor, unmittelbar zu dem er-höhten Stuhle des Weisen. Hier stand er unbeachtet, Jenen scharfin's Auge fassend, bis einer der Häuptlinge Tamennnd von seinerGegenwart in Kenntniß setzte.
„In welcher Sprache spricht der Gefangene mit Manitto?"fragte der Patriarch, ohne die Angen aufznschlagen.
„In der seiner Väter," antwortete Uncas- „in der Spracheder Delawaren."
Auf diese plötzliche, unerwartete Aenßerung lief ein gedämpf-tes, wildes Murren durch die Menge hin, dem Brummen desLöwen vergleichbar, wenn seine Leidenschaft erwacht: ein furcht-bares Vorzeichen künftigen Grimmes. Der Eindruck dieser Worte