LI 9
„Auch da nicht," unterbrach ihn Cora, „viele Jahrzehnte spä-ter! Ich rede von Etwas von gestern her. Gewiß, gewiß, — duhast es nicht vergessen!"
„Erst gestern noch," fuhr der Alte mit röhrendem Pathos fort,„waren die Kinder der Lenapen Herren der Welt. Die Fischedes Salzsee's, die Vögel, die Thiere und die Mengwe's der Wäl-der erkannten sie als Sagamoren."
Cora ließ bitter getäuscht ihr Haupt sinken und kämpfte einenAugenblick mit ihrem Schmerz; dann erhob sie ihr sprechendesAntlitz und ihre strahlenden Angen, und fuhr in einem Tone fort,der beinahe ebenso eindringlich, als die überirdisch klingende Stimmedes Patriarchen war:
„Sag' mir, ist Tamennnd Vater?"
Mit einem wohlwollenden Lächeln ans seinen erstorbenen Zö-gen blickte der Greis ans sie herab, warf seine Augen langsamüber die Versammlung und antwortete:
„Vater einer Nation."
„Für mich selbst erbitte ich nichts. Wie bei dir und de» Dei-nigcn, ehrwürdiger Häuptling," fuhr sie fort, ihre Hände krampf-haft ans das Herz gedrückt, und das Haupt so tief senkend, bisihre glühenden Wangen von der Fülle glänzend schwarzer Locken,welche unordentlich über ihre Schultern fielen, beinahe bedecktwurden — „ist der Fluch meiner Vorfahren schwer auf ihr Kindgefallen. Aber dort ist Eine, die nie zuvor des Himmels Ungunstgekannt hat. Sie ist die Tochter eines alten, schwachen Mannes,dessen Tage ihrem Ende nahe sind. Sie hat Viele, sehr Viele,die sie lieben, deren Wonne sie ist, und sie ist zu gut, viel zukostbar, ein Opfer jenes Schurken zu werden!"
„Ich weiß, die Blaßgcsichter sind ein stolzes und hungrigesGeschlecht. Ich weiß, sie wollen nicht nur die Erde besitzen; selbstder Gemeinste ihrer Farbe soll besser als die Sachems der rochenMänner sein. Die Hunde und die Krähen ihrer Stämme," fuhr
27 -