339
erlaubte er sich doch keine-Frage, jede weitere Ausforschung auf eineschicklichere Zeit aufspareud. Erst nach einer geraumen Weileschüttete er die Asche aus seiner Pfeife, nahm den Tomahawk wiederzu sich, zog den Gürtel fester au und stand auf, zum ersten Maleinen Blick auf den Gefangenen werfend, der etwas hinter ihmstand. Der aufmerksame, obgleich scheinbar in Gedanken vertiefteUncas bemerkte diese Bewegung, wandte sich plötzlich dem Lichtezu, und ihre Blicke begegneten sich. Fast eine Minute standen diesekühnen, unbeugsamen Geister einander gegenüber, sich fest in dasAuge schauend, und keiner schlug den Blick vor dem stolzen Ausdruckdes Gegners nieder. Unca's Gestalt hob sich und seine Nasenlöcheröffneten sich gleich denen des verfolgten Tigers; aber so entschiedenund nnbengsam war seine Stellung, das; die Einbildungskraft leichtein treffliches, fehlerloses Abbild der kriegerischen Gottheit seinesStammes ans ihm geschaffen hätte. Die Umrisse der spielendenZüge Magna's waren geschmeidiger; seine Miene verlor allmäligan Trotz, in einen Ausdruck wilder Freude übergehend; er athmetetief auf, den furchtbaren Namen — ,,Ie rerkagile i" — aussprechend.. Alle Krieger sprangen auf, als dieser wohlbekannte Name ge-nannt wurde, und eine Weile hindurch wich die stoische Stand-haftigkeit der Eingebvrnen gänzlich der Gewalt der Uebcrraschung.Der verhaßte und doch geachtete Name ward ans aller Mundewiederholt und ertönte selbst über die Gränzen der Hütte hinaus.Die Weiber und Kinder, welche den Eingang belagerten, nahmenihn auf wie ein Echo, dem ein schrilles, klägliches Geheul folgte.Dieses war noch nicht verhallt, als die Aufregung unter den Män-nern sich bereits gänzlich gelegt hatte. Alle Anwesenden setztensich wieder, als schämten sie sich ihrer Uebereilnng: aber nochmanche Minute ruhten ihre Angen auf dem Gefangenen, einenKrieger mit neugierigen Blicken prüfend, der so oft an den Bestenund Stolzesten ihrer Nation seine Tapferkeit bewährt hatte.
Uncas genoß diesen Sieg, begnügte sich aber, seinen Triumph
22 *