Druckschrift 
1 (1853) Der letzte Mohikan : eine Erzählung aus dem Jahre 1757
Entstehung
Seite
335
Einzelbild herunterladen
 

335

Hcyward hatte vor z» kurzer Zeit ein schreckliches Beispiel vondem schnellen Strafversahren eines Volkes erlebt, in dessen Händeer gegeben war, um sich durch übertriebene Keckheit einer Gefahrauszuseyen. Er hätte daher gerne statt aller Unterhaltung in schwei-gendem Nachsinnen verharrt, da eine Entdeckung seines wahrenCharakters so augenblicklich verderblich für ihn hätte werden können.Znm Unglück aber für diesen klugen Entschluß schienen die An-wesenden anders gestimmt. Er hatte den Play noch nicht langeinne, den er klüglich etwas im Schatten eingenommen hatte, als'eiuzweiter älterer Krieger, der französisch sprach, sich an ihn wandte.

Mein Canadavater vergißt seine Kinder nicht," sagte derHäuptling,ich danke ihm. Ein böser Geist lebt in der Fraueines meiner jungen Männer. Kann der kundige Fremde ihn hin-wegschrecken ?"

Heyward besaß einige Kenntnis; von den Gaukeleien, die unterden Indianern gegen vermeintliches Besesscnseiu im Schwangewaren. Er sah mit einem Blicke, daß dieser Umstand vielleicht fürseine eigenen Zwecke ansgebentct werden könne, und es hätte ihmdaher eben jept wohl nicht leicht ein erwünschterer Vorschlag ge-macht werden können. Da er aber von der Nothwendigkeit über-zeugt war, die Würde seines vorgebliche» Charakters z» bewahren,so unterdrückte er seine Gefühle und antwortete in einem entspre-chend gcheimnißvollen Tone:

Der Geister sind verschiedene: die einen weichen der Machtder Weisheit, die andern sind zn mächtig für sie."

Mein Bruder ist ein großer Arzt," sprach der schlaue Wilde,will er es versuchen?"

Eine Geberde der Zustimmung war die Antwort. Der Hnronewar mit der Zusage zufrieden, nahm seine Pfeife wieder ans undwartete ans einen schicklichen Augenblick zum Aufbruch. Der un-geduldige Heyward verwünschte innerlich die ruhige Sitte der Wil-den, die dem Scheine so viel Opfer brachte, nahm aber klüglich