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Ueber die Buchmacherei.
Praxis, in Betreffder Autor sch astdesHerrnFriedrich Nicolai;
durch welche die gegenwärtigeCensur eigentlich ist veranlaßt worden, unddie auch mit jener in enger Verbindung steht ? — Der jetzt eben vorgestellteFall der Verlagsklugheit im Gegensatz mit der Verlagsgründ-lichkeit (der Ueberlegenheit des Scheins über die Wahrheit) kann nachdenselben Grundsätzen, wie der in der Möser'schen Dichtung, abgeurtheiltwerden; nur daß man statt des WortesP r a xis, welches eine offene undehrliche Behandlung einer Aufgabe bedeutet, das der Praktiken (mitlanggezogcncr Penultima) braucht und so alle Theorie in den Augen einesGeschäftsmannes kindisch und lächerlich zu machen sucht; welches dannnach dem Grundsätze: die Welt will betrogen sein, — so werde sie dannbetrogen! — auch seinen Zweck nicht verfehlen wird.
Was aber die völlige Unwissenheit und Unfähigkeit dieser spöttischnachäffenden Philosophen, über Vernunfturtheile abzusprechen, klar be-weist, ist: daß sie gar nicht zu begreifen scheinen, was Erkenntnißaxriori,(von ihnen sinnreich: das Vonvornerkenntniß genannt,) zum Unterschiedevom empirischen eigentlich sagen wolle. Die Kritik der reinen Vernunfthat es ihnen zwar oft und deutlich genug gesagt: daß es Sätze sind, die mitdem Bewußtsein ihrer inneren Nothwendigkeit und absoluten All-gemeinheit (apodiktische) ausgesprochen, mithin nicht wiederum alsvon der Erfahrung abhängig anerkannt werden, die also an sich nicht sooder auch anders sein können; weil sonst die Eintheilung der Urtheilenach jenem possierlichen Beispiele ausfallen würde: „Braun waren Pha-raon'sKühe; doch auch von anderen Farben." Aber Niemand ist blinder,als der nicht sehen will, und dieses Nichtwollen hat hier ein Interesse,nämlich durch die Seltsamkeit des Spectakels, wo Dinge, aus der natürli-chen Lage gerückt, auf dem Kopf stehend vorgestellt werden, viel Neugierigeherbeizuzichen, >um durch eine Menge von Zuschauern (wenigstens aufkurze Zeit) den Markt zu beleben und so im literarischen Gewerbe die Han-delsindustrie nicht cinschlümmern zu lassen; welches dann doch auch seinen,wenngleich nicht eben beabsichtigten Nutzen hat, nämlich vom zuletzt an-ekelnden Possenspiel sich hernach desto ernstlicher zur gründlichen Be-arbeitung der Wissenschaften anzuschicken.
Druck von E. Polz in Leivzig.