„Katy, ist cr dahingegangen?"
„Nein, Madame," antwortete die verstörte Jungfer mit großerBitterkeit, „cr ist nvch nicht gegangen; aber jetzt kann er gehen,sobald es ihm beliebt, denn das Schlimmste ist schon geschehen.Ich glaube in der That, Miß Peytvn, sie haben ihm nicht soviel Geld gelassen, um einen andern Anzug zu Bedeckung seinerBloße kaufen zu können, denn ich kann Ihnen sagen, der, wel-chen er gegenwärtig hat, ist keiner von den besten."
„Wie?" rief die Andere erstaunt, „konnte Jemand das Herzhaben, eine» Mann in solcher unglücklichen Lage zu berauben?"
„Herz?" wiederholte Katy, nach Luft schnappend; „Leute wiediese haben gar keine Eingeweide. Berauben und Unglück, in derThai! Ach, Madame, in dem eisernen Topf lagen offen vor mei-nen Angcn viernndfünfzig Guineen in Gold, anßer dem, was nvchunten lag, und was ich nicht zählen konnte, ohne mich der Händezu bedienen. Auch berührte ich es nicht gerne, den» es gibt daso ein Sprüchlein; aber dem Ansehen »ach konnte es nicht wenigerals zweihundert Guineen gewesen sein, das, was sich in dem hirsch-ledernen Beutel befand, nicht mitgerechnct. Aber Harvey ist nunwenig besser als ein Bettler, und ein Bettler, Miß Jeanette, istdas allerverächtlichste Geschöpf ans Gottes Erdboden."
„Armnth ist bemitleidenswcrth, aber nicht verächtlich," sagte dieDame, ohne den ganzen Umfang des Unglücks begreifen zu können,das ihre» Nachbar in der letzten Nacht überfallen hatte. „Aber wasmacht der alte Mann? Geht ihm sein Verlust sehr zu Herzen?"
Katy's Züge verloren den natürlichen Ausdruck der Sorge,und gingen in den der Trauer über, als sie antwortete:
„Er ist glücklich allen Erdenleiden entnommen; das Klingendes Geldes holte ihn noch einmal ans dem Bette heraus, unddie Erschütterung war zu heftig für seine arme Seele. Er starbungefähr zwei Stunden und zehn Minuten vor dem Hahnenrns,so weit wir das angcben können. —"