Cap. 1.
Lucius Cornelius Sulla stammte aus einer patricischen, dasheißt etwa: „altadeligeu" Familie ab.
Unter seinen Voreltern soll ein gewisser Nnfinus *) das Con-snlat errungen haben; doch wurde diese Ehre bei ihm weniger bekannt,als eine gewisse Beschimpfung, die er erfuhr. Man fand ihn nämlichiin Besitze von mehr als zehn Pfunden silberner Gesäße, was nachdem Gesetze nicht erlaubt war, — und deßmegen verstieß man ihnans dem Senate.
Die nachfolgenden Glieder der Familie lebten sodann immer inder Niedrigkeit. Auch Sulla selbst wuchs im väterlichen Hanse unternicht sehr glänzenden Verhältnissen ans.
Znm jungen Manne herangereist, wohnte er in einem fremdenHanse. Er konnte jedoch keinen großen Miethzins bezahlen, wie manihm später ausdrücklich vorwarf, als ihn das Glück über Verdienst zubegünstigen schien.
Da er nämlich nach dem afrikanischen Feldzuge den Vornehmenspielte und sich bedeutend brüstete', soll ihm ein rechtschaffener, wacke-rer Mann die Frage vorgehalten haben: „wie er bei diesem uuge-hcnren Besitze ein ehrlicher Mann sein körnte, da ihm doch sein Vaternichts hinterlassen habe?"
Damals verblieb zwar das Leben nicht mehr bei den geraden,reinen Sitten der alten Zeit; es war gesunken und in einen Wett-streit der Ueppigkcit und des Luxus ansgeartet; aber dennoch hielt
*) Publius Cornelius Rufinus zum ersten Male mit Manius Curius Dcn-tatus zur Zeit der Samniterkriege Consul.