6S
Jedermann war darüber betroffen. Diesem Gefühle folgte Mit-leiden und Reue über den gefaßten Beschluß, neben Vorwürfen, diesie sich selbst machten. Denn jetzt erschien ihnen ihr beabsichtigtesVorhaben im höchsten Grade frevelhaft und undankbar bei einemManne, dem Italien seine Rettung verdankte, und bei dem schon dieUnterlassung der wirklichen Hilfe arg genug war. „Nun, so mag erhingeh'n, wohin er will! Mag er als Flüchtling anderswo seine Ge-schicke erfüllen! Wir wollen die Götter bitten, uns nicht zu zürnen,daß wir Marius hilflos und nackt aus unserer Stadt hinausgeworsenhaben!"
Von solchen Gedanken getrieben, stürzten sie schaarenweise insein Haus und führten ihn sodann in ihrer Mitte an den Meeres-strand. Da aber Jeder ihm bereitwilligst noch mit irgend Etwas zudienen, — Alle ihm ihren Eifer zu beweisen suchten, so entstanddadurch eine größere Verzögerung. Es befindet sich nämlich dort einHain der Nymphe Marika*), welchen sie heilig halten, indem sienamentlich verhüten, daß nichts wieder aus demselben hinausgetragenwerde, was hineingetragen wurde. Dieser Hain war für den Wegzum Meere sehr hinderlich. Man mußte ihn im Kreise umgehen, unddieß verursachte große Langsamkeit. Endlich aber rief einer der älte-ren Männer mit lauter Stimme: „man dürfe jeden Weg betreten undgehen, auf dem man einen Marius rette!" Und mit diesen Wortennahm er selbst zuerst einen Gegenstand, der nach dem Schiff gebrachtwerden sollte, und ging damit durch jenen Ort hindurch.
Cap. 40.
Bei einer solchen Bereitwilligkeit war in Kurzem Alles herbei-geschafft. Ein gewisser Belaus lieferte ein Schiff für Marius, wel»cher späterhin ein Gemälde von diesen Ereignissen verfertigen und indem Tempel**) als Weihgeschenk ausstellen ließ.
Jetzt schiffte er sich ein und segelte ab. Bei dem günstigsten
') Marika, eine Usergöttin der Minturnenscr, hatte am Flusse LiriS einen Tempel.*") De« Marika.