Druckschrift 
20 (1867) 1. Camillus, 2. Pelopidas
Entstehung
Seite
22
Einzelbild herunterladen
 

sium*), hcrangezogen und belagerten sie. Die Clusiner dagegen nahmenihre Zuflucht zu den Römern, von welchen sie sich Gesandte und einSchreiben an die fremden Feinde ausbateu. Wirklich wurden auch dreiangesehene Männer von der fabischen Familie abgesandt, — Männer,die in der Stadt große Ehrenstellen bekleideten. Diese wurden bei dembedeutenden Namen, welchen Rom besaß, von Seiten der Gallierfreundlich empfangen. Letztere brachen sogar ihren Kampf gegen dieFestungswerke ab und traten mit den Römern zu einer Besprechungzusammen. Auf die Frage: „was sie denn von den Clusinern UebleSerfahren hätten, das; sie nun gegen die Stadt hcrangezogen seien?"gab der gallische König Brennus unter Lachen zur Antwort: „DasUnrecht der Clusiner besteht darin: sie können nur ein kleines StückLand anbauen und wollen doch ein großes Stück besitzen, ohne unszahlreichen und armen Fremdlingen Etwas davon zu geben. Es istdas nämliche Unrecht, Römer, das Euch früher die Albaner, Fidenatenund Ardeaten, neuerdings die Bewohner von Veji und Capena, wieauch viele Falisker und Volsker, angethan haben. Ihr zieht dannauch gegen sie zu Felde und wenn sie ihren Besitz nicht mit euch thcilenwollen, so verkauft ihr sie als Selaven, plündert sie ans und zerstörtihre Städte. Aber auch ihr thut daran nichts Arges, oder Ungerechtes.Ihr befolgt nur das älteste aller Gesetze, das dem Stärkeren allesEigenthum des Geringeren zuspricht und droben von einem Gotte her-untergeht — bis hinunter zu den Thieren. Denn auch in den Thierenliegt schon von Natur der Trieb, daß die stärkeren suchen mehr zuhaben, als die schwächeren. Darum höret auf, die Clusiner zu bemit-leiden, weil sie belagert werden; ihr könntet sonst die Gallier lehren,freundlich und mitleidig zu sein, auch gegen Solche, die von den Rö-mern angefochten werden!"

Aus diesen Worten erkannten die Römer deutlich, daß mit Bren-nus keine friedliche Ausgleichung möglich sei. Sie begaben sich dahernach Clusium hinein, wo sie die Leute ermuthigten und antrieben, einenAusfall gegen die Feinde zu machen, an welchem sie selbst sich bethei-ligen wollten, sei es, um die Tapferkeit der Clusiner kennen zu lernen,oder ihre eigene zu zeigen.

Clusium, früher Residenz des Königs Porsenna; jetzt Chiusi.