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17 (1866) Romulus und Numa
Entstehung
Seite
89
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allen Seiten verbreitete, so das; selbst die dichterischen Uebertreibuugen,wie inan erzählt, hinter der Wirklichkeit der damaligen Zustände zu-rückblieben.In den eisernen Schildringen, hieß es, liegen die Ge-webe der Spinnen; der Rost frißt an der Lanzcnspitze und dem zwei-schneidigen Schwert, und nimmer hört man eherner Trompeten Schall,noch wird der süße Schlaf geraubt von den Augenliedern."

Denn es wird weder von einem Kriege, noch einem Aufstande oderpolitischen Unruhen ans Numa's Regicrnngszeit berichtet. Ebensowenig findet sich eine Spur von Feindschaft oder Haß gegen seine eigenePerson, hinterlistigen Planen oder Verschwörungen ehrgeiziger Men-schen, die nach dem Throne trachteten. Vielleicht wirkte hier die Furchtvor den Göttern, unter deren besonderem Schutze man den König stehenglaubte; vielleicht war es auch die Hochachtung vor seinen Tugenden,oder eine Fügung des Himmels, wodurch das Leben unter ihm vonjeder Sünde unberührt und rein erhalten wurde. Kurz, man hatte hierein leuchtendes Beispiel und Zeugnis; jenes Wortes vor sich, welchesPlato, ein Philosoph späterer Jahrhunderte, über den Staat zu äußernwagte:das; nur in Einem Ruhe und Erlösung von allem Ucbel fürdie Welt zu finden sei, wenn durch höhere Schickung die Macht desKönigs zusammensalle mit dem Geiste des Philosophen, und so dasGute stark und siegreich über alles Böse mache." Denn glücklich, jaglücklich in hohem Grade ist vor allem der Weise selbst (dies ist gewiß-lich wahr); glücklich sind auch die, so die Worte hören dürfen, die ansdes Weisen Munde kommen. Bald bedarf cs daun auch bei der Mengekeines Zwanges, keiner Drohung mehr. Wenn sie die Tugend in einemklaren Bilde, in dem leuchtenden Lebensbeispiele ihres Fürsten erblicken,jo kommen Alle von selbst und mit Freuden zu nüchterner Vernunftund lassen sich zu einem Leben in gegenseitiger Liebe und Eintrachtsammt Gerechtigkeit und Mäßigung, zu einem untadelhaftcn und hoch-beglückten Leben nmwandeln, und darin liegt ja doch das schönste Zielvon jeder Staatsvcrfassung. Und der tüchtigste aller Könige ist der,welcher solch ein Leben und solch eine Gesinnung in dem Herzen seinerUnterthancn zu schaffen vermag.

Das war cs nun eben, was Numa mehr, als jeder Andere, ent-schieden und vollständig begriffen hatte.