88
oder einen König anschcn, ein Wesen für die bürgerliche Gemeinschaftund hatte die Lebcnsordnnngcn der Menschen von ihrem thierisch mil-den Charakter befreit. Deßwegcn wird er anch mit doppeltem Gesichteabgebildet, mcil er dem Leben eine ganz veränderte Gestalt nnd Stim-mung gegeben hatte.
Cap. 20.
Es steht zn Rom auch ein Tempel des Janns, mit zwei Eingängenversehen nnd Kriegspforte genannt. Denn es ist alte Sitte, dass er nnrin Kriegszciten geöffnet wird, dagegen mährend des Friedens geschlos-sen bleibt. Letzteres geschieht freilich nur schwer nnd in seltenen Fällen,da die römische Herrschaft stets in irgend einen Krieg verwickelt ist undbei der Größe ihres Gebietes beständig mit den ringsum zerstreutenfremden Völkerschaften hartnäckige Kämpfe zu bestehen hat. Nnr aus-nahmsweise unter Kaiser Augustus war der Tempel geschlossen, undzwar nach Ucberwältigung des Antonius. Anch srüherhin geschah diesunter dem Konsulat des M. Attilius und Tit. Manlins, jedoch nurans kurze Zeit; dann wurde er alsbald wieder geöffnet, weil eine neuerKrieg ansbrach.
Dagegen zu der Zeit von Nnma's Regierung sah man ihn nichteinen einzigen Tag lang offen stehen, sondern dreinndvierzig Jahrehindurch blieb er ohne alle Unterbrechung zngcschlossen. So vollständigund allenthalben mar alles verbannt, was irgend zum Kriege gehörte.Denn nicht blos das römische Volk war durch die Rechtlichkeit undMilde des Königs in eine freundliche und friedliche Stimmung ge-bracht, sondern anch über die umliegenden Staaten kam, wie wenn vonNom her ein freundlicher Wind oder eine gesunde Luft wehte, der An-fang einer gewissen Veränderung. Alle Gemüther wurden durchdrun-gen von dem sehnsüchtigen Wunsche nach gesetzlichen Zuständen undFrieden, um so das Land zn bauen, in Ruhe der Familie zu leben unddie Götter zn ehren. Man feierte Feste, hielt freundliche Gelage, machtesich furchtlos herüber und hinüber Besuche der herzlichsten Art, unddies wurde herrschende Sitte in ganz Italien. Nnma's Weisheit wargleichsam die Quelle, aus welcher der Sinn für Tugend und Recht inalle Herzen cinströmte und die tiefe Ruhe, die ihn umgab, sich nach