81
gegen Sonnenaufgang; man ändert mm seine Stellung nach dieserSeite und kehrt sich sodann abermals zu dem Gotte herum, so daßman einen Kreis beschreibt und die Vollendung des Gebetes durch beideBewegungen vollständig aussührt. Doch könnte sehr wohl der Wechselder Stellung in einem so dunkeln Symbol auch eine ähnliche Be-deutung haben, wie das ägyptische Nad. Sie könnte andeuten, daßnichts Irdisches besteht, sondern der Mensch jede Wendung und jedeEntwicklung unseres Lebens, wie Gott sie schickt, mit Zufriedenheit undErgebung aufzunchmen die Pflicht hat. Das Niedersitzen nach derAnbetung deutet man als ein Sinnbild für die sichere Gewährung derGebete und für die bleibende Dauer der erwünschten Güter. Auchsoll in dem Ausruhen eine gewisse Scheidung der verschiedenen Hand-lungen liegen. Man gebe hiemit (sagt man), der vorangehenden Hand-lung ein Ziel und sehe sich vor den Göttern nieder, um von ihnensodann den Anfang für eine nachfolgende zu erlangen. Doch kannauch noch eine andere Erklärung mit dem früher gesagten übereinstim-men. Der Gesetzgeber will uns daran gewöhnen, unsere Bitten, diewir an die Gottheit richten, in keinem Geschäftsdrange nur nebenbeiund gleichsam eilsertig auszusprechen, sondern bloß, wann wir Zeithaben und durch nichts Anderes in Anspruch genommen sind.
Cap. 15.
Eine derartige religiöse Erziehung hatte die Folge, daß die Stadtvollkommen lenksam wurde und Numa'S Kraft über alle Maßen an-staunte. Behauptungen, die nach ihrer Seltsamkeit vollkommen einemMärchen glichen, nahm man willig an und hielt nichts für unglaublichoder unmöglich, wenn es der König wollte.
So lud er einmal z. B., wie man erzählt, eine größere Anzahlvon Bürgern zur Tafel, ließ ihnen jedoch ganz schlechte Geschirre undein äußerst einfaches, gewöhnliches Essen vorsetzen. Aber nach demBeginne der Mahlzeit warf er die Aeußerung hin, daß die Göttin, dieseine Vertraute sei, zu ihm gekommen wäre, und im nächsten Augen-blick ließ er das Haus voll kostbarer Pokale und alle Tische mit denmannigfaltigste» Speisen und einer glänzenden Einrichtung reich besetzterscheinen.
Plutarch. XVII.
0