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2 (1868)
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648
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Bildende und zeichnende Künste.

Anmerkung. Das Mittelalter machte zur Ausschmückung der Gold-arbeiten einen sehr ausgedehnten Gebrauch von Edelsteinen der ver-schiedensten Art. Fremde und einheimische, werthvolle echte und werth-lose falsche Steine finden sich durch und neben einander an einem unddemselben Gegenstände, zuweilen selbst heidnisch antike Gemmen undKameen (mit profanen Darstellungen) ') mitten unter ordinairen Glasflüs-sen, woraus man abnehmen kann, wie es dabei hauptsächlich auf glänzendbuntes Farhenspiel abgesehen war. Tafelförmig und facettirt geschnitteneSteine kommen erst seit dem XIV. Jahrh. in Gebrauch; bis dahin begnügteman sich mit der blossen Politur der unregelmässigen (rundlichen oderovalen) Naturform ( Cabochons ) ; doch finden sich bereits sehr frühzeitigRubine (oder Emails?) in viereckiger Tafelform verwendet. Vergl. dieEdelstcinfassungen auf dem einen Prachtbuchdeckel des X. Jahrh. darstel-lenden Stahlstich zu S. 133; auch im Ausland 1806 No. 31 : Zur Gesch.der farbigen Edelsteine.

114. Die zeichnenden Künste erzeugen nur den Schein der Ge-genstände im Bilde, entweder als blossen Umriss (Zeichnung, Gravi-rung) oder als Ausfüllung desselben mit Barben (Malerei, Stickerei,Kunstweberei) und bedürfen dazu einer gegebenen Unterlage : Metall,Stein, Glas, Holz, Pergament, Papier, gewebte Stoffe u. s. w.

Auf harten Unterlagen (Metall, Stein, Holz, Rein) können Zeichnun-gen ohne das Hilfsmittel der Farbe durch Eingraben der Linien ver-tieft dargestellt werden, oder erhaben durch Hinwegschneiden desGrundes, bei Metallen auch durch Auflöthen feiner und biegsamer Me-tallstreifen. Das letztere mühsame Verfahren wandten die mittelalter-lichen Goldschmiede häufig an zur Verzierung ihrer Arbeiten mit zartenArabesken, Blumen etc. durch das Filigran, welches aus einem sau-beren Geflecht von feinen, stellenweise verschmolzenen Gold- oder Sil-be r dr ah tfä de n ( ßla ) besteht und an den verschmolzenen Stellen kleineErhöhungen [grana] bildet. Man vergl. den Stahlstich zu S. 133, wodie Fassung der Edelsteine mit Filigranverzierungen geschmückt er-scheint. Das Filigrangeflecht auf den Arbeiten des X. und XI. Jahrh.pflegt von feinerer Körnung zu sein, als das spätere. Anderweitigsuchte man die Wirkung der Gravirungen und Schnitte durch den Reizder Farbe zu erhöhen : man füllte die eingegrabenen Umrisse der Figurenauf älteren Leichensteinen, besonders in Norddeutschland, oft mit einer

1) Vergl. Creutzcr, F., zur Gemmenkunde. Antik geschnittene Steine vomGrabmal der h. Elisabeth zu Marburg. 1834. Mit 5 Taf.; vergl. oben S. 143 Nota 3,S. 144 Nota 5. Wie man antike Gemmen im M. A. (mit Ilinzufügung einer Metall-fassung zur Aufnahme der Inschrift) zu Siegclstempeln benutzte, hat Wiggert inden N. Mittheil, des Thüring.-Sächs. Vereins VII. 4, 120 (nebst 4 Taf.) an vielenBeispielen gezeigt. Hass die Kunst des Steinschneidens im Abendlande noch inder karoling. Zeit, wenngleich in sehr unvollkommener Weise, geübt worden ist, be-weisen einige ausserst plump geschnittene Kameen an dem oben S. 143 Nota 2 er-wähnten Aachener Reliquienkasten; byzantinischen Ursprungs sind einige Gemmenauf dem S. 133 erwähnten Prachtbuchdeckel in München (Cim. 58). Vergl. F. W.U nger, in den Bonner Jahrbüchern. XXXIX u. XL. S. 374370.