I.
Die Klcinsclnniedevei im Liittielier Lande.
Im Lütticher Lande blühte im XIV. Jahrhundert nicht sosehr die Production von Eisen, als vielmehr dessen Verarbei-tung zu Stabeisen, Nägeln, Schwarz- und Weissblech, Stahl,Gusswaren, Waffen, Quincallerie- und anderen Waaren. DieGesammtheit der Industriellen war in der Corporation du bonmetier des Febvres vereinigt, in deren Register nur Bürger derStadt, welche ihr Meisterstück gemacht hatten, eingetragenwerden konnten; an ihrer Spitze stand ein erwählter chef odermajeur, der den Versammlungen präsidirte.
Die Corporation umfasste drei Arten Genossen. Einmaldie Kaufleute, welche das Roheisen in grossen Barren aus denGrafschaften Xamur und Luxemburg bezogen und von denSchmieden verarbeiten Hessen; sie leiteten den Handel nachHolland, Deutschland, Frankreich und selbst nach England.Ferner die Schmiedemeister und endlich deren Arbeiter. DieseMeister besassen Werkstätten, welche meist an den Wasser-läufen lagen; die Steinkohlen bezogen sie billig aus der Um-gegend von Lüttich. Sie arbeiteten nur auf Bestellung undgegen Stücklohn, waren also hausindustrielle Lohnmeister derKaufleute; ihr Lohn war durch einen Tarif geregelt. DieKaufleute übernahmen die Bestellungen nicht einzeln, um sichnicht in nachtheiliger Concurrenz zu unterbieten, vielmehrsammelte die Corporation die Aufträge und vertheilte sie dannunter die Genossen.
Die Xägelfabrikation war stets Gegenstand besondererBeachtung. Darin herrschte eine Geschicklichkeit, welche allerConcurrenz spottet; man ist erstaunt über diese Oeconomiedes Rohstoffes, die Präeision und Regelmässigkeit der Structur,welche noch heute in bewunderungswürdiger Weise die inferioreQualität des dazu verwendeten Coakseisens ausgleicht. DasGeheimniss der Schmiederei durfte nicht verrathen werdenund die Arbeiter nicht ausser Landes wandern.
Die Nägelkaufleute, in einer Zunft vereinigt, hatten dasausschliessliche Recht des auswärtigen Absatzes. Sie kauften