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II. 3.
Unternehmern sich oft ins Ausserordentliche ausdehnt. Daherwirkt jeder Aufschwung der Conjunctur besonders auf dieModeindustrie, und zwar in um so höheren Grade, je grösserePortionen vom Gewinne die Unternehmer für sich zu behaltenvermögen.
Es ist demnach zuzugestehen, dass bei einer Verall-gemeinerung des Arbeitseinkommens die Kleidungsstücke so-wohl länger getragen als auch in ihrer Mode nicht sorasch wechseln würden als heute, und dass folgeweise diesteigende Ungleichheit der Vermögens- und Einkommensver-theilung den Luxus erhöht und zur Beschleunigung des Mode-wechsels beiträgt, indem sie die Anzahl der Leute vermehrt,welche aus Laune ihre Trachten verändern können. Indessenwird (1er Modewechsel sich auch im soeialistischen Wirthschafts-systeme nicht vermeiden lassen, und da nur die Stabilität inder Mode eine grössere ist, folgt daraus, dass dieselbe sichviel andauernder von den verschiedenen Stoffen abwenden wird.Wenn beispielsweise die einfachen Gewebe modern sind, wirdderen Verzierung, das Band, gute Nachfrage haben; wendet sichder Geschmack gemusterten Stoffen zu, so werden die Krisenviel andauernder für die Bandindustrie sein. Oder es wird, umein anderes Beispiel zu nehmen, die Mode sich den Stoff-, oderden Metall- oder den Glasknöpfen zuwenden, und dein ent-sprechend werden bald Barmen, bald Lüdenscheid, bald die säch-sischen Fabrikationsorte in oder ausser Beschäftigung sein. Solange der Individualität in der Consumtion überhaupt ein Spiel-raum vergönnt ist, — und diese Freiheit ist durch die Lehrendes Socialismus ja keineswegs ausgeschlossen, — werden Mode-wechsel stattfinden und die betreffenden Inclustrieen demSpiele der Conjuncturen unterliegen, es wird auch dannArbeitslosigkeit eintreten und sogar andauernder sein alsheute. —
^ Die Riemendreherei, das mechanische Flechten von (flachen)Litzen und (runden) Kordeln vermittelst sogen. Riementischeist eine Eigenthümlichkeit der Barmer Industrie. Bereits seitdem vorigen Jahrhundert in kleinem Massstabe betrieben,nahm sie seit 1849 einen grossen Aufschwung. Mit dem Er-scheinen der vervollkommneten englischen Rohstoffe, namentlichin Leinen und Wolle, begannen in den 1850er Jahren neue,bis dahin ungekannte Fabrikationen, und es entstanden zahl-reiche Artikel, welche einen eignen, von der bisherigen Band-partie getrennten Fabrikationszweig bildeten und wegen ihresraschen Absatzes für die Arbeiter sehr lohnend wurden. Dashatte zunächst den Uebergang zum maschinellen Fabrikbetriebezur Folge. Bisher waren es Meister in ähnlich günstiger Lagewie die Bandwirker gewesen, mit ein bis zwei, nachher sogarmit sechs bis sieben Tischen und manchmal mit zwanzig Ar-