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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
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II. 3.

Fabriken zu Elberfeld, Ohligs und Langenberg gewebt, die Mehr-zahl der Stühle steht zerstreut bis ins Siegener Land, nachBielefeld und auf dem linken Rheinufer. "Wie gross dieseIndustrie, ist wohl kaum anzugeben; x ) die Menge der inElberfeld getrockneten Rohseide gibt auch nicht einmal einungefähres Bild, weil die grossen Häuser direct aus Italienkaufen und andere Firmen für ihre Factoreien in Crefeld con-ditioniren lassen. Wohlbemerkt habe ich Elberfeld nur eingrosses Vertriebscentruin der Seidenindustrie genannt, weildort die Comptoire der Kauf leute sieh befinden; fabricirt wirdam Orte selbst davon verhültnissmässig wenig, auch ist Elber-feld nicht ein Fabrikationscentrum von der Bedeutung Crefelds.

Ueber die gegenwärtigen Arbeiterverhältnisse lässt siehwenig sagen, weil im Thale selbst wenig Seidenweber mehrvorhanden sind; sie haben sieh der Bandwirkerei, Riemen-dreherei oder anderen Gewerben zugewendet. Dagegen habenin der Mitte unseres Jahrhunderts die Seidenweber die ersteRolle in Elberfeld gespielt. Sie waren von Anfang an haus-industrielle Lohnmeister mit eignen Webstühlen, die von denFabrikanten Jacquard und Harnisch, Kämme und Riethe, Ketteund Schuss erhielten. Eine zeitraubende Arbeit bei den ge-musterten Stoffen war das Vorrichten der Stühle und das..Passen. So lange die Jacquards noch neu waren, wurdendie Weber für das Vorrichten entsprechend entschädigt;später aber, als in den Jahren 182426 die Löhne stiegen,wurde jene besondere Entschädigung allmählich abgeschafft.So kam es denn, dass die Weber während des Vorrichtensdes Stuhles nichts verdienten und beim Rückschläge in den1830 er Jahren in dieser Zeit aus Armenmitteln unterstütztwerden mussten. Das sahen denn die Fabrikanten auch einund im Jahre 1845 bei der günstigen Conjunctur wurdeihnen am 9. Februar eine besondere Entschädigung bewilligt, * 2 )welche im Jahre 1874 erhöht wurde, da sie im Laufe der Zeitungenügend geworden war. In Crefeld wird eine besondere Ver-gütung nicht gezahlt; sie ist im Lohne enthalten. Das istoffenbar ungerecht, denn da es selten vorkommt, dass derWeber mit einer Vorrichtung mehrere Ketten weben kann, so hater alle ein, zwei oder drei Monate eine völlig ungenügend oderim Grunde genommen gar nicht bezahlte Woche. Dazu kommteine Erniedrigung des Weblohnes, falls er eine zweite Kettebekommt, durch folgendes Manöver. Der Werkmeister, derihm das neue Muster übergibt, ermuntert ihn: arbeiten Sienur rasch, wir brauchen das Stück sofort, Sie erhalten gutbezahlt. Nun setzt der Weber sich hin und arbeitet bis spät

') Die Handelskammer schätzt den Jahresumschlag auf 85 Mill. Mark.

2 ) Königl. Regierung zu Düsseldorf. Acta I. III. 9. 7. Eingabe desVorstandes derWeberinnung zu Elberfeld v. 7. Juli 1853.