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Orte sind die Centren ihrer Industrie, in ihnen finden die vor-bereitenden Operationen statt, wie das Giessen, Walzen undmechanische Schmieden, und die vollendenden, wie das Schleifen,jene Appretur der Stahlwaaren, das Fertigmachen und dieFabrikation der Scheiden, Hefte u. s. w. In Remscheid ist einejede Werkstatt unabhängig- von der andern; in einer jedenderselben vollendet der Meister sein Fabrikat von Anfang biszu Ende. Die Schmieden liegen daher auf den Bergen zer-streut und höchstens finden gleichartige Gewerbe in einemOrte sich zusammen; in Feld, Hasten und Hütz die Sägen-,in Bliedinghausen und Elminghausen die Feilen-, in Stachel-hausen die Meissei- und Hobeleisen-Fabrikation, in Reinshagendie Kleinschmiederei. Ein jeder Schmied kann sich selbständigansiedeln, wo er will, ohne Rücksicht auf einen arbeitgebendenKaufmann; das erhöht den trotzigen freien Sinn der Bevöl-kerung. Schon äusserlich in der Gegend und im Hammer-schlage prägt sich der Unterschied aus zwischen Solingen undRemscheid: dort die Hügel sanfter, hier höhere Berge; dortein leichter Ilammerschlag auf kleine Messer und Scheeren,lustiger, klingender, rheinischer, — hier ein schwerer Schlagauf Eisen, härter, kräftiger, bedächtiger, westphälischer; „dieRemscheider sind grobe Leut’!“
Die Arbeiterbevölkerung der Stahl- und Eisenwaarenin-dustrie lebt in Ortschaften und Gehöften über sechszehn Ge-meinden im hergischen Lande zerstreut, in einzelnen Ortenwie Solingen und Kronenberg wohl schon ein halbes Jahr-tausend alt, in andern Bürgermeistereien etwas jünger. Es istdies eine reine Industriebevölkerung, und es wäre ganz irrig,sich ähnlich den Weherdörfern des linken Rheinufers acker-bautreibende Ortschaften mit einigen Eisenarbeitern vorzu-stellen; die Landwirthschaft spielt vielmehr gar keine Rolle;sie beschäftigt z. B. in Solingen nur 1%, in Remscheid 1.6%der Bevölkerung, die Industrie dagegen (54.6% und 76.9%.Die Landwirthschaft ist vollkommen verkümmert; das liegteinmal daran, dass bei dem rauhen und kalten Klima auf dermit Lehm gemischten Grauwacke nichts Ordentliches gedeiht,so dass man in neuerer Zeit die Felsabhänge wenigstens durchBewaldung zu verwerthen und damit zur Regulirung des Wasser-standes zu verwenden gesucht hat. Ferner liefern die Arbeits-und Capitalkräfte in der Industrie grössere Erträge; ein jederErwerb wird dieser sofort wieder zugeführt; ich kenne bei-spielsweise einen Fabrikanten, der 21 Morgen Landes gekaufthat, aber während fünf Jahren noch nicht dazugekommen ist,einen einzigen davon bestellen zu lassen. In den Weberdörferndes linken Rheinufers wirkt dem die grosse Fruchtbarkeit desBodens entgegen und sie ist es. welche den „Bur“ zum reichstenund angesehensten Manne des Ortes macht. In den unfrucht-baren Textilgegenden des bergischen Landes finden sich aber