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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
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II. 3.

dass sie weder eine besondere Ausbildung noch irgendwienennenswerthe Capitalanlagen erfordern. Das Lehrlingswesenbleibt in allen Handbetrieben bis in die Manufactur hineindas beste Mittel, um den lernenden Arbeitern gewisse Hand-fertigkeiten und technische Kenntnisse beizubringen, bis in denFabriken die Selbstthätigkeit der Hand durch die automatischeMaschine ersetzt wird. Dem inneren Bediirfniss entsprechendhat sich denn auch ohne gesetzliche Regelung das Lehr-lingswesen erhalten und wird nur periodisch durch das Auf-steigen der Conjuncturen erschüttert; theils laufen dann dieLehrlinge selbst fort eines höheren Erwerbes wegen, theilsverleiten fremde Meister sie zum Vertragsbruch, indem sie siez. B. betrunken machen. Ueber den Werth des Lehrlings-wesens darf man sich jedoch nicht täuschen: mehr als Rou-tine wird nicht beigebracht und auch diese nach dem Standeeiner vergangenen Generation. Gewerberichter haben oft dieErfahrung gemacht, dass die Meister die Lehrlinge z. B. andas eigentliche Schmieden gar nicht heranlassen. Die Lehr-linge kosten im ersten Jahre dem Meister, im zweiten gleichensich Kosten und Gewinn aus ihrer Arbeit aus, im drittenüberwiegen die Gewinne; dann laufen bei günstiger Conjuncturdie Lehrlinge davon, und um solches zu verhüten, zeigen dieMeister ihnen nur einzelne Th eil arbeiten.

Die Erwerbung von blossen Handfertigkeiten ist nicht ge-nügend, und zwar um so weniger, je bedrohter das betreffendeHandwerk vom mechanischen Betriebe ist. Das Rad der Ma-schine geht dann zermalmend über die Existenz von tausen-den selbständiger Meister, weil es ihnen an Capital, an tech-nischen Kenntnissen und an Initiative gebricht, sich bei Zeitendie Vorzüge derselben anzueignen. Und doch ist es in tech-nischer, wirthschaftlicher und socialpolitischer Hinsicht von sounendlicher Wichtigkeit, dass nicht allein das Vorhandenseinvon Capital bei den Kaufleuten, sondern auch die Energie undtechnische Bildung der Meister die Gründung einer Gross-industrie herbeiführt, dass die Elite der Handwerksmeister auseigner Kraft zu Fabrikanten sich emporzuringen vermag. Da-her ist beim handwerksmässigen Betriebe die technische Fach-schule doppelt wichtig nicht allein aus pädagogisch-technischensondern auch aus socialpolitischen Gründen. Von der projec-tirten Schule in Remscheid soll im letzten Abschnitt ausführ-licher gehandelt werden.

Ein verbessertes Lellrlingswesen und ein Besuch der Fach-schule wären doch nur in der Jugend wirksam; sie würdenjedoch selbst bei den tüchtigeren Meistern ohne tieferge-hende Folgen bleiben und vollends nichts an den verrottetenGewohnheiten der grossen Masse der indolenten Arbeiter zuändern vermögen, wenn nicht eine fortlaufende Anregunggebildeter Techniker stattfände. Es sollten daher die Ge-