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II. 3.
wichtiger als die unterschiedenen sind aber die gemeinsamenInteressen der Lohnarbeiter: die Regelung des Arbeitsange-
bots und des Lohnes. Verbietet man ihnen diese beiden Auf-gaben zum Mittelpunkte ihrer Bestrebungen zu machen, sounterbindet man die grosse Ader, welche den Arbeitern durchden Lohn ihr Einkommen, die wirthschaftliche Lebenskraft,zuführt. Die Vereine der Schleifer in Solingen und der Feilen-hauer in Remscheid sind die Ansätze zu künftigen Gewerk-schaften. Sie sind wild den Thatsachen entwachsen, nochnicht gefestet durch Traditionen, von keinen Principien ge-leitet; sie sind die fliegenden Corps im Sommer der Conjunctur,die wohlauf zum fröhlichen Jagen nach höheren Löhnen durchalle Werkstätten ziehen und dann nach lustiger Pürschdie Beute rasch verzehren, so dass sie im Winter in ihrerVereinzelung gar bald an Mangel leiden. Im Innern sind sienur locker organisirt; die ungeordneten Versammlungen er-zeugen häufig nur wüste Gedanken und Thaten. Die jungenGewerkvereine werden sich aber auswachsen und um so er-folgreicher und segensreicher wirken, wenn der Staat sie sanc-tionirt und ihnen bei ihrer Entwickelung behiilflich ist; ihreOrganisation würde analog der sein, wie ich sie bei den Cre-felder Seidenwebern ausgeführt habe.
Die Zünfte oder Innungen der selbständigen Handwerks-meister haben das Hauptinteresse an der Ordnung der Waaren-preise, der Beschaffung der Rohstoffe und der wirksamen Ge-staltung der Technik. Diese Aufgaben werden die beidenKlassen der Handwerksmeister jedoch mit verschiedenem Vor-theil verfolgen, je nachdem sie dem eigentlichen für den Orts-bedarf arbeitenden Handwerk angehören oder der handwerks-mässigen auf Massenabsatz bedachten Industrie. Im eigent-lichen Handwerk treibt jeder Meister selbst den Handel; eswird ihm aber schwer, sein Lager reichhaltig genug zu assor-tiren und entsprechende Preise zu erhalten. Daher werden dieMagazine von wachsender Bedeutung, für welche die Handwerks-meister gegen sofortige Baarzahlung arbeiten, welche sie abernach und nach zu der Stellung von hausindustriellen Lohn-meistern hinabdrücken. Diesem Verluste der Selbständigkeitsuchen die Magazingenossenschaften zu steuern, welche durch Aus-gabe von Lagerscheinen wenigstens ein vorläufiges Aequivalentfür die sofortige Baarzahlung des Magazinbesitzers bieten können.Bei der Massenproduction und dem Massenabsatz der hand-werksmässigen Industrie sind die Magazine von viel zu loca-ler Wirkung; ferner treibt die Masse der Kleinmeister selbstkeinen Handel, und auch die-zu einer Handelscompagnie um-gebildete Zunft wird die speculirende und riskirende Thätig-keit von ein paar intelligenten Kaufleuten nicht ersetzen.Einzig bliebe die Möglichkeit übrig, in einigen Grossstädtenwie Berlin, Magazine zu errichten; in der Hauptsache wird