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II. 3.
Entstehung derselben zusammen. In Frankreich gibt es zwarauch eine ältere Industrie in der Picardie, der Normandie,den Ardennen, in Maubeuge, St. Etienne a. d. Loire, aber inden östlichen Provinzen und in Paris ist sie neu und vollendsgar in Nordamerika. Es waren hier von Anfang an grosse Capi-talisten mit allen technischen Erfahrungen der Vergangenheit,welche Arbeiter aus dem Auslande, namentlich aus dem Ber-gischen herbeiriefen, diese hauslosen Fremden in ihren Manu-facturen vereinigten und dann bald in Folge der hohen Löhneunter dem Schutze ihres Zollsystems zu maschinellem Betriebeund damit zum Fabrikwesen übergingen. Welcher Contrast!Das Ilaus Japy freres z. B. beschäftigt in ähnlichen Gewerbenin seinen vier Fabriken fast eben so viel Arbeiter, als der ge-sammte Reinscheider Industriebezirk an Meistern, Gesellen,Lehrlingen und Fabrikarbeitern. Welche Stabilität in Preisenund Löhnen, xvelche Gleichmässigkeit in der Qualität ist damöglich! Da ist capitalistisch und technisch alles grossartig,sogar die Reisenden sind Techniker, die in der Fabrik ge-arbeitet haben. Die deutschen Reisenden können unwissendenKunden ihre Waare wohl anpreisen, auch wohl erkennen, obsie gut oder schlecht ist, aber bei ihrer rein kaufmännischenBildung können sie nicht erkennen, warum sie schlecht ist,warum sie sich zu gewissen Zwecken nicht eignet und wie siebesser hergestellt werden sollte. Die französische Industriehat sich in den letzten zwanzig Jahren ganz ungewöhnlich ge-hoben, begünstigt durch Capitalreichthum und Maschinentech-nik, welche Kinderarbeit gestattet, durch den günstigen Cen-tralmarkt Paris, günstige Eisenbahnfrachten und Klima. Inden flotten Jahren gewann sie auch dadurch Terrain, dass siefeste Preiscourante ausschicken konnte, was Remscheid hei demsteten Steigen von Rohstoffpreisen und Löhnen nicht vermochte.
Die Remscheider erkennen sehr wohl die Gefahr, welchefür sie aus dem allzu langen Beharren beim Kleinbetriebe ent-springt; dieselbe ist um so grösser, als sie unter ungünstigenallgemeinen Productionsbedingungen, wie theuren Lebensmittel-preisen und schlechten Transportverhältnissen in Folge ihrerhohen Lage arbeiten. Aber die Schwierigkeiten des Ueber-ganges zur Grossindustrie sind sehr erhebliche. Die Expor-teure sind reine Kaulleute ohne technische Kenntnisse; siewenden ihr ganzes Nachdenken und all ihr erworbenes Capi-tal dem Handel zu; in diesem hoffen sie mehr zu erwerbenals in der Industrie; grosser Exporteur, nicht Fabrikant zuwerden ist ihr Ziel. Die Kleinmeister besitzen weder Bildungund Energie noch Capital; sie sind Sclaven der Tradition.Das w'irkt günstig auf die Handfertigkeit und macht aus ihneneinen vorzüglichen Arbeiterstand, aber noch immer keineFabrikanten und Kaufleute. Von Motoren und Technologiewissen selbst die intelligenteren nur verworrene Namen, und