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Das Schmied eh and werk war also eine geschlossene, erblicheZunft, die voll Eifersucht über ihren Privilegien wachte. Dafand nach der Aufhebung des Edicts von Nantes eine zweiteEinwanderung statt; die alten Meister wollten die Fremdlingenicht dulden, es entstanden Streitigkeiten und mehrere Schmiedewanderten im Jahre 1687 aus in die Grafschaft Mark, wo siemit offenen Armen aufgenommen wurden. Am Gevelsberge,an der Enneperstrasse, bei Hagen und Eilpe fanden sie billigereKohlen und Eisen, treffliche Wassergefälle für Hammerwerkeund Schleifkotten, wohlfeilere Lebensmittel und volle Gewerbe-freiheit. Dadurch stellten sich auch die Arbeitslöhne undWaarenpreise billiger, bei grossen Bestellungen und neuenMustern waren die Kaufleute nicht mehr an die Prätensioneneiniger privilegirter Handwerker gebunden, und so kam esdenn, dass Kronenberg seine alte Industrie der weissen Sensenvollständig verlor. Im Jahre 1759 zählte man im ganzenKirchspiel nur sechs bis sieben Sensenschmiede; im Jahre 1770war die Production im Märkischen schon 25 Mal grösser alsim Bergischen.
Die wiederholte Einwanderung vertriebener Protestantenhatte wichtige Folgen für die Ausbildung der Technik und dieAnknüpfung neuer Handelsbeziehungen. Da Kronenberg durchseine alte Industrie bereits besetzt war, wurde Remscheid derMittelpunkt der neuen Industrie und der neuen Kaufmann-' Schaft. Den Niederländern verdankt die Gemeinde die Anlagevon Hammerwerken, welche bald die Handschmiederei desrohen Eisens in den „Iser-Hütten“ verdrängten; die Franzosenvervollkommneten die Schleiferei und bis zum Jahre 1853 wardie Mehrzahl der Kotten im Besitze einer Familie, welche ihrenUrsprung von den Flüchtlingen ableitet, — Pickard aus derPicardie. Eine Reihe neuer Artikel wurde bekannt und derenZahl nahm um so rascher zu. als die Fremdlinge Beziehungenzu ihrer alten Heimath unterhielten und Handelsreisen dorthinunternahmen; so bürgerten sich neben den bekannten land-wirthschaftlichen Geräthen wie Sensen, Sicheln u. s. w. auchHausgeräthschaften, Schlösser, Handwerkszeuge in Remscheidein. Je mehr die früheren Artikel in die Mark auswanderten,desto wichtiger wurde es, neue aufzugreifen.
Da konnte es nicht fehlen, dass am Ende des XVII. undam Anfang des XVIII. Jahrhunderts von allen Seiten fleissigeArbeiter sich einfanden, um ihre Kunst an den neuen Waarenzu üben. Endlich waren sie so zahlreich, dass sie um einPrivilegium nachsuchten, welches ihnen am 31. März 1759 be-willigt wurde und die Arbeiter unter dem Namen des 16 Klein-schmieds-Handwerks zusammenfasste. 1 ) Die Zunft bildetenalle bisherigen Meister; neu aufgenommen wurden nur die in
*) a. a. 0. Acta ‘27, Convolut I.