Druckschrift 
2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
Entstehung
Seite
97
Einzelbild herunterladen
 

II. 3.

97

grössere Firmen eigenmächtig nachgaben, fügten sich diesenForderungen.

Furch diese von den Messerschleifern gelegte Breschebrauste nun die Flutli der Lohnerhöhungen. Alle Arten Theil-arbeiter stellten ihre Forderungen und erhielten dieselben be-willigt. Derjenige Fabrikant, welcher sich nicht fügte, wurdein Strike erklärt, hatte grosse Mühe aus demselben lieraus-zukommen und musste noch eine Busse von 50, 100200Thalern zahlen dafür, dass er den Strike nötliig gemacht hatte.

Kaum war ein Jahr abgelaufen und die Preise der Lebens-mittel, Schleifsteine und Kohlen gestiegen, da fanden dieTafelmesser-Schleifer, dass die Löhne wiederum nicht genüg-ten; sie nahmen jene Materialsteigerungen zum Vorwände undluden in höflicher und sehr freundschaftlicher Form die Fa-brikanten ein, sich mit ihnen über eine neue Lohnregulirungins Benehmen zu setzen. Das erste Mal erschienen acht, daszweite Mal vierzehn Fabrikanten, von denen hervorgehobenwurde, dass in Folge der übermässigen Lohnsteigerungen füreinzelne Artikel des Exportgeschäfts keine Aufträge mehr ein-gelaufen wären, während man vielleicht in einigen anderen Ar-tikeln des Continentalgeschäfts eine Erhöhung zubilligen könnte;jedenfalls wäre wohl eine Begulirung, nicht aber eine noch-malige Lohnerhöhung zulässig. Aus dem schwachen Besucheder Versammlungen seitens der Fabrikanten entnahmen dieSchleifer mit Recht, dass sie auf eine energische Oppositionnicht stossen würden und erhöhten die Löhne durchschnitt-lich um 1 6 2 / 3 ü /o, in einzelnen Sorten Messer aber um weniger.

Die Controlle über die Einhaltung der Lohnliste war einesehr strenge. Wenn ein Fabrikant in Verdacht stand, seinenArbeitern zu niedrige Löhne gezahlt zu haben, so musstendiese vor dem Vorstande der Vereine erscheinen, und aus denBüchelchen nachweisen, dass sie den entsprechenden Lohn er-halten hatten. Wagte ein Schleifer zu Sätzen unter der Listezu arbeiten, wie z. B. ein armer Schwertschleifer lange Gurken-hobeln zu 30 Pfg. statt zu dem vom Messerschleifer-Vereinfestgesetzten 90 Pfg. schliff, so kamen Haufen von 4050Mann und warfen ihm die Riemen ab und störten ihn an derArbeit. Die Fabrikanten wurden auf die blosse Anklage derArbeiter, dass sie zu geringen Lohn zahlten oder zu starkeAbzüge für schlechte Arbeit machten (was mitunter in unge-rechtfertigter Weise geschehen war), ohne vorher gehört zuwerden, von den Arbeitervereinen in Strike erklärt, auswelchem sie erst nach langwierigen Verhandlungen und nachErlegung von Geldbussen entlassen wurden. In diesen Pro-cessen waren die Kläger zugleich die Richter. Tag für Tagliess derSchleiferkönig seine Aechtungen in den Blätternverkünden:In dreimonatlichen Strike verfielen . . . , imStrike verblieben . . . , sämmtliche Arbeiter der Firma A.

Forschungen (8) IT. 3. Thun 2. 7