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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
Entstehung
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dorfer Staatsarchive in die Berge kam, wie erstaunte ich:dieselben Streitfragen in denselben Worten. Ausdrücken, Be-schwerden behandelt zu hören, wie ich sie in den vergilbtenBlättern soeben gelesen. Waren doch die Streitpunkte undder Geist die gleichen gebliehen!

Bis zum Jahre 1871 erhielt sich die Ruhe. I)a traten imOctober und November zuerst in Wald und Grafrath dieSchleifer an die Fabrikanten mit der Forderung heran, ihneneinen Lohnaufschlag von 25 Procent zu bewilligen; diejenigenwelche es nicht thaten, wurden in Strike erklärt. Die dortigenFabrikanten, meist auf die in der Nähe liegenden Kotten amItterbache angewiesen, sahen sich der Willkür der Schleiferausgesetzt und beschlossen, sich in einen Verein zusammenzu-thun und die Nachbarn in Solingen einzuladen, gemeinsameMassregeln gegenüber den drohenden Lohnerhöhungen zu er-greifen. Sei es dass die beiden Deputirten ganz unbekanntin Solingen waren, sei es dass sie an die ungeeigneten Per-sönlichkeiten geriethen, kurz, sie fanden wenig Anklangmit ihren Vorschlägen. Man meinte die Arbeiter würden esnicht wagen, ähnliche Forderungen zu stellen, und tliäten siees, so würde man mit ihnen fertig zu werden wissen.

Indess es kam ganz anders.') Im Januar und Februar1872 forderten auch in Solingen zunächst die Messerschleifereine Lohnerhöhung von 25%. Dem gegenüber vereinigten sichdie meisten Fabrikanten auf Ehrenwort und sperrten die Ar-beiter aus. Das dauerte vier Monate, bis sie seihst eine Listeaufstellten, welche im Wesentlichen eine Lohnerhöhung von25% zur Basis hatte, und sich erboten, willigen Arbeitern zudiesen Preisen wieder Beschäftigung zu geben. Einzelne Fa-brikanten Hessen nun die Arbeiter an sich herankommen,andere aber schickten gegen die Abmachung voller Eile indie Kotten. Die Schleifer, welche die viermonatliche Aussper-rung ausgehalten, und während derselben von Bürgern, Wirthenund Krämern Unterstützung empfangen hatten, glaubten ausdiesem Vorgehen auf drängende Bestellungen schliessen zudürfen, und erklärten nun ihrerseits die angebotenen Preisefür unzulänglich und stellten eine Liste auf, welche eine Er-höhung von 70 75 Procent, ja für einzelne Messer 300 Pro-cent enthielt. Die Fabrikanten, welche die Erfahrung gemachthatten, dass ihr erster auf Ehrenwort gegründeter Verein einsehr lockerer gewesen war, und welche sahen, dass mehrere

5 ) Die folgende Darstellung beruht nur auf Mittheilungen von Fabri-kanten und Kaufleuten, wie namentlich der Herren C. J. Krebs, Wruck.Beckmann und Henckels, Schwarte, Koppel, und des Landraths Melbeck.Vergl. auch das Solinger Kreis-Intelligenzblatt vom 28. Februar 1873 und21. Februar 1877. Naturgemäss geben die Quellen der folgenden Schil-derung eine liberal-conservative Färbung.