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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
Entstehung
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II. 3.

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Arbeitsinann zum selbständigen handeltreibenden Fabrikanten batseine schöne sociale Seite, indem es strebsamen Kräften freie Bahnlässt, wie sie beim Fabrikbetriebe kaum mehr vorhanden. Aberdie Schattenseiten sind überwiegend; es entsteht eine grenzen-lose, durch keinerlei Rücksichten des Anstandes und der Ehre ge-zügelte Concurrenz, wie sie nirgendwo schlimmer ist am Rhein.Und es ist bezeichnend für Solingen, dass die vermehrte Con-currenz. in erster Reihe nicht etwa eine verstärkte geschäft-liche Rührigkeit zur Folge hat, sondern überwiegend das Be-streben durch allerlei Mittel unlauterer Art augenblicklichenGewinn sich zu suchen. Diese fessellose Concurrenz commer-ziell meist untüchtiger und geschäftlich häufig unmoralischerKaufleute und Fabrikanten ist es, welche die Hauptschuld anden traurigen Zuständen Solingens trägt. Es ergeben sichdaraus zunächst die möglichst niedrigen Waarenpreise, fernerdem entsprechende Waarenqualitäten und eine Verkümmerungder Technik, dann bei der geringen Gesammtproductivität einum so erbitterterer Kampf um die Verkeilung, um die Löhne,endlich eine tiefgehende Unzufriedenheit unter den Lohn-arbeitern, welche in der Entsendung eines socialdemocratischenAbgeordneten zum Reichstage ihren Ausdruck gefunden hat.Wahrlich, alles andere ergibt sich aus einer derartigen freienConcurrenz, nur keineharnionie economique!

Die Technik, die eigentlich fabricirende Thätigkeit ruhtbei der haiisindustriellen Betriebsform in den Händen derTheilarbeiter. Schon gegen die Arbeitsintensität liesse sichhier vieles sagen: die Unregelmässigkeit der Beschäftigungist eine sehr grosse; oft wird tagelang nichts gethan, wennkeine Arbeit, oder bei den Wasserschleifern, wenn kein Wasservorhanden ist; zu anderen Zeiten wird Uebermenschliches ge-leistet und wie unsinnig Tag und Nacht gearbeitet. Die Ehr-lichkeit ist vielfach eine mangelhafte: die Schmiede machendie Klingen etwas kleiner und leichter und betrachten denRest des Materials als gute Prise; es ist keinerlei Garantievorhanden, dass nicht auch schlechterer Stahl statt des gutenhingegebenen verarbeitet wird. Ob dann im besten Falle dasgute Material richtig behandelt wird, entzieht sich jeder Con-trolle; der zu Seheeren hingegebene Gussstahl wird vielleichtvom Härter als Raffinirstahl behandelt, und dadurch das ganzeFabrikat verdorben. Eine Gleiclnnässigkeit ist fast gar nichtzu erreichen; die wechselnden Stimmungen des zu Hausearbeitenden Meisters schmieden sich alle ins Fabrikat, und vonWerkstätte zu Werkstätte wechseln wiederum Fähigkeit undLust der Meister.

Die technischen Fertigkeiten bilden den Ruhm Solingensund suchen ihres Gleichen. Dieselben werden durch das Lehr-lingswesen ausgebildet, welches sich selbst nach Aufhebungder Zunftverfassung erhalten hat, weil es dem Kleinbetriebe

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