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II. 3.
Industrie hing in hohem Grade vom Witterungswechsel ab.Gab es genug Wasser, so fehlte es an Bestellungen, und warendiese da^ so lachte die Sonne so freundlich und so anhaltend,dass der Wasserspiegel sich tief unter das Wasserrad senkte;I eine feste Rechnung konnte man niemals machen. In zweiDrittel des Jahres musste das gesammte Einkommen verdient, werden, folglich war der Lohn sehr hoch und dabei sehrschwankend. I)a nun aber andere Länder gleichmässigerenWasserstand, billigere Lebensmittel und Materialien hatten, sohatte Solingen gegen die internationale Concurrenz einenschweren Stand.
Die anderen Arbeiter wetzten die von den Schleifern derIndustrie geschlagene Scharte nicht aus; auch ihre Technikwar zurückgeblieben. Den grössten Ruf hatten früher dieKlingen genossen durch das Schmieden und Härten, hinterwelchem man sogar ein Fabrikgeheimniss vermuthete. Indesssei es dass während der Völkerkriege und der Continental-sperre die Kaufleute kein gutes^ Material mehr gaben, sei esdass die Arbeiter beim schlechten Lohn sich keine Mühe mehr; nahmen, sei es dass auch wirklich die Fertigkeit sich verloren..hatte, es werden bis zum Jahre 1820 die Klingen als voller; Risse, Blätter- und Härtesprünge geschildert*). Wirklich tüchtigwurde noch das Vergolden der Klingen, besonders „im blauen“vorgenommen, und auch die Leistungen im Aetzen und Graviren. waren gute; alle diese Arbeiter waren aber unprivilegirte.Da ihnen aber jeder Unterricht im Zeichnen fehlte, somangelte ihren Darstellungen natürlich auch die künstlerischeVollendung. Völlig zurück stand die Technik im Montiren;die Knauf- und Knopfschmiede waren zu gering an Zahl, umbei starken Bestellungen alle Schwert- und Degenklingen zumontiren. feinere Degengefüsse lieferten sie nicht so gut alsFrankreich und England. Am tiefsten standen in allen Arbeitendie Schwertfeger; sie konnten nur lederne Scheiden machen.Gefässe poliren und aufschlagen; die schönen messingnen undeisernen Scheiden und die künstlichen Beschläge hatte Solingeneinzig unprivilegirten Arbeitern zu verdanken. Ebensowenig, war das Kunstschleifen verbreitet. Naturgemäss lauteten daher! alle Bestellungen auf lose Klingen; das Verbot, dieselben unbe-; reklet' ausser Landes gehen zu lassen, war einfach undurch-\j führbar. Solingen hatte nicht mehr das Monopol in Europaf und konnte nicht mehr den Kunden seine Bedingungen stellen.
Die technische Vorbildung war völlig ungenügend geworden.Die traditionelle Fertigkeit vom Vater auf den Sohn zu ver-erben und die uralten Künste treu zu bewahren, reichte nichtmehr aus. Ebenso wenig genügten die Anregungen, welche dieKaufleute der Industrie dadurch gaben, dass sie von ihren
] ) Vom Solinger Kaufmann l’eter Knecht a. a. 0.