Druckschrift 
4 (1841)
Entstehung
Seite
937
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Neuichundert und ftchsundneunzigste Tlachl.

Nacht in Gesellschaft zugebracht halte, beim Nachhausekommen machte. Dieser Traummachte einen so tiefen Eindruck auf Sirrie, daß sie glaubte, nicht anders Ruhe findenzu können, als wenn sie das geträumte Glück noch einmal wenigstens in der Wirklichkeitgenieße. Am folgenden Tage sagte sie daher zu Ali:Du weißt, daß ich schwangerbin und du mir folglich Nichts versagen kannst, ohne mich und das Kind, das ich untermeinem Herzen trage, der größten Gefahr auszusetzen. Ich gelüste nach Fischen, die duselbst gefangen. Nimm daher dein Fischerkleid, das ich aufbewahrt habe, sammt allemZugehörigen, miethe einen Nachen in Bulak und komme nicht eher zurück, bis du miteigener Hand wenigstens zwei Fische gefangen." Es fiel dem reichen, stolzen, schonverwöhnten Ali sehr schwer, seinen künstlich gewundenen feinen Turban, seinen damastuenKaftan, seinen Kaschmir-Gürtel und seine lange Djubbe vom feinsten Tuche mit eineralten, abgeschabten rothen Mütze, einem zerlumpten blauen Hemde und einer grobenwollenen Binde zu verwechseln. Die Liebe zu seiner Frau war gewiß nicht mehr starkgenug, um ihn zu einem solchen Schritte zu vermögen. Aber die Furcht, sie möchte einKind zur Welt bringen mit zwei Fischen auf dem Leibe oder gar auf den Wangen,bewog ihn, den Willen seiner Frau zu vollziehen und wieder einmal auf ein paarStunden sein altes Handwerk zu treiben. Er ging in's Schlafzimmer, wo Sirrie seinFischerkleid aufbewahrt halte, zog es an und verließ die Stadt, ohne daß ihn Jemanderkannte. In Bulak miethete er einen Nachen und fuhr gegen die Insel Rhoda, wo erfrüher häufig fischte, warf sein Netz aus, und als er es wieder heraufzog, waren dreiFische darin, so groß und so schön, wie er noch keine in seinem Leben gefangen. Freudigkehrte er zur Stadt zurück, mit dem gefüllten Fischernetze auf dem Rücken, vergaß selbst,daß er jetzt der reiche Kaufmann Ali war, und ging wie ein wahrer Fischer durch dieStadt. Als er aber vor dem großen Kaffeehause im Kupferschmiedquartier vorüberkamund ein von Chaschisch halb berauschter Türke, welcher vor demselben saß, die schönenFische sah, rief er ihm zu:Bring' die Fische her! was willst du dafür?" Aliantwortete:Diese Fische sind schon verkauft."Bring' sie her, du arabischer Hund!"rief der Türke zum zweiten Male;du willst sie gewiß in's Judenquartier oder einemKonsul bringen; seitdem so viele Gjaur hier sind, kommt nichts Gutes mehr auf diemuselmännischen Märkte!" Ali schwur vergebens, diese Fische seyen einer frommenMuselmännin bestimmt; der gewaltthätige Türke lief auf ihn zu, riß ihm das Netz mitden Fischen aus der Hand und trieb ihn mit seinem Kurbadj fort.

In der nächsten Nacht erzählte Sckehersad folgendermaßen weiter:

Tausend und eine Nacht. IV.

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