898 Neunhundert und vierundnchtzigste Nacht.
deren schon längere Zeit im Verborgenen: was bewegt dich auf einmal, kein Geheimnißmehr daraus zu machen?" — „Der Gedanke," antwortete Schahin, „an die Möglichkeit,daß mein Sultan in demselben Falle wäre, und der Wunsch, daß mein Sultan, wennmeine Vcrmuthung gegründet ist, durch das Beispiel seines Dieners ermuntert, nunauch allen Zwang ablege." Der Sultan fühlte sich sehr gekränkt durch diese Worte, undSchahin hätte für seine Kühnheit büßen müssen, wäre dies nicht das erste Mal gewesen,daß seine Worte dem Sultan mißfielen. Er schwieg daher, aß Einiges, berührte aberden Wein nicht. Als aber nach Tisch sechs der schönsten und reizendsten Tänzerinnenerschienen, die alle ihre Künste aufboten, um den Sultan aus seiner frommen Gleich-gültigkeit herauszulocken, sagte er zu Schah in: „Ich beschwöre dich bei dem ProphetenGottes, gestehe mir deine Absicht bei diesem sonderbaren Benehmen!" Da führte ihnSchahin in den anstoßenden Saal und zeigte ihm seine Ankläger, die sich nun selbstvon des Sultans Unschuld überzeugt hatten. Auf eine beiderseitige Erklärung folgte einlanges Schweigen, bis endlich Schahin auf den Gedanken kam, zwanzig seiner Gästein die Stadt zu schicken, um zu sehen, ob nicht ein falscher Sultan in Abwesenheit deswahren sich in der Stadt finde. Dieser Vorschlag fand allgemeinen Beifall, und dieHälfte der Gesellschaft bestieg ihre Pferde und ritt nach der Citadelle zu. Sie warenkaum ein paar Straßen weit geritten, als sie eine Schaar Reiter, mit vielen fackel-tragenden Sklaven vor ihnen her, erblickten, und wie groß war ihr Erstaunen, als sieunter ihnen auch den Sultan und die zwanzig bei Sch ah in zurückgebliebenen Emireerkannten, die, ohne sie zu grüßen, schnell an ihnen vorüberritten und verschwanden.Sie kehrten daher wieder um und sagten zu ihren bei Schahin sie erwartenden Freunden:„Scherzt ihr wohl mit uns, daß ihr auf einem andern Wege uns nachreitet und dannwieder vor uns hier cintreffct?" — „Hier muß irgend ein Zauber vorhanden sepn,"sagte Schah in, „denn, beim Leben des Propheten! es hat Keiner von uns diesen Saalverlassen."
Schehersad unterbrach hier ihre Erzählung; in der nächsten Nacht fuhr siealso wieder fort: