Druckschrift 
4 (1841)
Entstehung
Seite
763
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Neunhundert und dreiundvierzigste Rächt.

ich werde dich in den Stand setzen, cs niii jedem Menschen auf Erden aufiiehmcn zukönnen." Hierauf holte er ein Buch aus einer Kiste, dessen Blätter von Kupfer warenund vor welchem ein großes Schloß lag, und fuhr fort:An diesem altgrichischenBuche haben zweiundscchzig Priester gearbeitet; wer cs versteht und im Gedächtnissebat, gegen den vermag kein Geschöpf etwas. Es entbält die Kenntniß aller bellendenund giftigen Pflanzen, die Namen aller Länder und Schlösser, Berge und Thäler,Kirchen und Moscheen; es gibt die Mittel an, die festesten Plätze zu nebmen, denmächtigsten Feind zu schlagen und jeder gefahrvollen Lage zu trotzen. Ich will dich dieSprache lehren, in welcher es geschrieben ist, dann kannst du vielleicht mit Erfolg denMameluken aufsuchen, der unfern: Glauben so viel Unheil zu bringen droht."

Djawan blieb nun sieben Jahre lang bei seinem Oheim Karsimun und wardvon ihm zu dessen Nachfolger als Klosterprior ernannt. Auf einer seiner Reisen, dieer mit der kupfernen Tafel machte, trat einst, als er in der Nähe von Gaza war, einegänzliche Windstille ein; er stieg daher mit Portulisch an's Land und ging am Uferspazieren. Da sah er einige muselmännische Kinder, unter denen ein Knabe wegenseiner Freundlichkeit und seines gescheiten Aussehens ibre Aufmerksamkeit erregte.Djawan konnte der Begierde, diesen Jungen zu rauben, nicht widerstehen; er batdaher Portukisch, ihn zu ergreifen und auf das Schiff zu tragen; auch er folgte ihmsogleich nach und führte den Jungen zu seinem Oheim in's Säulenklostcr. DieserJunge, welcher kein Anderer als der im Buche prophezeite Schi ha war, hatte schonin den ersten Kinderjahren bei einem Scheich aus Kabira Unterricht im Koran genossenund war daher so ergrimmt, als er sich in den Händen ungläubiger Christen sah, daßer auf keine Frage, die an ihn gerichtet ward, antwortete und trotz aller Drohungenund Mißhandlungen das hartnäckigste Schweigen beobachtete. Aber das Schicksal wollte,daß seinen Leiden bald durch den König von Genua ein Ende gesetzt werde. Dieserhatte nämlich kurz vorher seinen einzigen Sohn Djewid verloren, und kam daher indas Säulenklostcr, um Gott anzuflehcn, daß er ihm wieder einen Sohn an desVerstorbenen Stelle schenke. Als er an Schiha vorüberging, welchen Djawan aneinen Baum gebunden hatte, jammerte er:O mein Sohn Djewid, warum mußtestdu so früh von mir scheiden!" In diesem Augenblicke kam Djawan aus dem Klosterund schlug Schiha auf eine so grausame Weise, daß er schrie:O mein Vater! omein Vater!" Dies hörte der König von Genua und wendete sich Schiha zu, der diegrößte Achnlichkeit mit seinem verstorbenen Sohne hatte, und fragte ihn:Wer bistdu? Bei Gott, wäre mein Sohn nicht todt, ich würde dich für ihn halten; wie heißt