^10 Neunhundert und neunundzuiailzitzste Nacht.
auch mein Gatte ist Kaufmann. Dieser ist aber auf einer Neise, und als ich michallein zu Tisch setzen mußte, war es mir unmöglich, einen Bissen zu essen. Ich gingdaher aus, um Appetit zu bekommen — cs ist das erste Mal in meinem Leben, daß ichallein ausgehe; nun gefällst du mir so gut, daß ich gern dich bei Tisch an meinerSeite haben mochte; willst du mir folgen?"
Ali sagte: „Wer ruft, dem wird geantwortet," und ging einige Straßen weithinter ihr her. Dann dachte er doch an die Warnung Ahmeds und an die Gefahr,in einer fremden Stadt sich mit einer verheiratheten Frau in ein Verhältniß einzulasscn.Er griff daher in seine Tasche, holte einen Dinar heraus, reichte ihn Sei nab hin undsagte: „Nimm dies; ich kann dir jetzt nicht weiter folgen." Aber Seinab stieß seineHand zurück und beschwor ihn, sie nach Hause zu begleiten und sich von ihr bewirthenzu lassen. Ali konnte nicht widerstehen und blieb bei ihr, bis sie vor einem großenHause mit verschlossenem Thore still hielt. „Das ist mein Haus," sagte Seinab;„öffne das Thor!" — „Wo ist der Schlüssel?" fragte Ali. „Den habe ich verloren,"antwortete Seinab; „schlage nur die Thüre ein!" Ali versetzte: „Das werde ichnimmermehr thun; ich will nicht für einen Dieb gehalten werden." Er war im Begriff,sie zu verlassen, weil sie ihm verdächtig vorkam; aber sie hob ihren Schleier auf undzeigte ihm ein so schönes Gesicht, daß es ihm nicht mehr möglich war, sich von ihr zutrennen. Da er indessen die Thüre nicht mit Gewalt erbrechen wollte, öffnete sie dasSchloß ohne Schlüssel, durch die Kraft einiger heiligen Namen von der Mutter Moses,und ging mit Ali in den Hof. Sie lief dann an den Brunnen, welcher im Hofe war,und wusch ihre Hände; darauf schlug sie sich auf die Brust und schrie: „Wehe mir, ichbin verloren!" Ali sprang zu ihr hin und fragte sie, was ihr zugestoßen. „Ich babeeinen Diamantring in den Brunnen fallen lassen," antwortete sie, „der bei meinemGatten für fünfhundert Dinare verpfändet ist und den ich ohne sein Wissen angezogenhabe. Nun gehe du einstweilen hinauf, daß ich mich entkleide und in den Brunnenhinabsteige, um ihn zu suchen." — „DaS gebe ich nicht zu," rief Ali; „bleibe da, ichsteige hinunter!" Er warf sogleich seine Kleider von sich, band sich an den Eimer fest,und Seinab ließ ihn langsam hinunter in den Brunnen, der sehr tief war, aber nichtviel Wasser hatte. Als er drunten war, nahm sie seine Kleider, ging damit zu ihrerMutter und erzählte ihr Alles.
Ali mußte im Brunnen bleiben, bis der Emir Hasan, Eigenthümer des Hauses,welcher den ganzen Vormittag im Divan des Chalifen zuzubringen pflegte, nach Hausekam. Er wollte vor dem Mittagsgebete sich waschen und befahl seinem Diener, die