Druckschrift 
4 (1841)
Entstehung
Seite
642
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0^) Neunhundert und sechste Nacht.

ließ ich alle Beduinen, welche im Lager waren, Zusammenkommen und sagte ihnen:Wisset, ich bin der König von Tauris, und der Mann, bei dem ich die Nacht zugcbracht,ist mir thenrer als ein Bruder geworden; ich wollte ihn mit mir nehmen und ihm einhohes Amt verleihen, aber er kann sich nicht entschließen, euch zu verlassen. Darum istcs eure Schuldigkeit, ihn als cuern Obern auzuerkenncn; ich fordere es hiermit voneuch, und solltet ihr je ihm ungehorsam werden, so lasse ich keine eurer Wohnungenuuverwiistet, und Niemand soll darin bleiben, der im Stande wäre, ein Feueranzublasen. Alle Beduinen riefen einstimmig: Wir gehorchen Gott und dir! Ich sagtedann meinem Wirthe noch besonders: Bedarfst du je meiner, so sende mir nur einenBoten, der sich als Abgesandter des Herrn vom weißen Hahne bei mir melden lasse,und fordertest du die Hälfte meines Königreichs, so soll sie dir gewährt werden. Ichnahm hierauf Abschied von den Beduinen und kehrte mit meinen Leuten in meineHauptstadt zurück. Als wir aber das Thor erreichten, vernahmen wir ein so furchtbaresGetöse, daß wir glaubten, die ganze Stadt müsse Zusammenstürzen, und als ich fragte,was das bedeute, flog ein riesenhafter Geist auf mich zu und sagte: Nun will ich denTod meines theurcn Sohnes rächen! Er hob mich hierauf aus meinem Sattel undschwang sich mit mir in die Lust. Ich weiß nicht, wie lauge er mit mir umherflog,denn ich verlor bald das Bcwußtscy». Als ich wieder zu mir kam, befand ich mich aufeiner Insel, welche von verschiedenartigen Genien bewohnt war: die Einen waren lang,die Andern kurz, bei den Einen sab man vor vielen Haaren kein Gesicht, bei Ander»nichts als Knochen ohne Fleisch; auch befanden sich Köpfe ohne Rumpf und Rninpfeohne Kopf unter ihnen; sic schienen aber Alle sehr niedergeschlagen, und Viele weintenund jammerten ganz laut und schlugen sich dazu iu's Gesicht. Nach langem Schweigensagte der Genius, der mich auf diese Insel gebracht, mit einer Stimme, welche demDonner glich: Hier ist der Mörder meines Sohnes, was beginnen wir mit ihm? Dariefen einige Genien in Elephantengcstalt: Gib ihn her, daß wir sein Fleisch essen undfein Blut trinken. Aber ein Genius, der mehr einem Menschen glich, sagte: Es stehtKeinem von uns zu, diesen Mann zu richten; er muß vor unfern König geführt werde».Ich brachte die Nacht, von zwei furchtbaren Genien bewacht, in einem Gefängnisse zuund ward am folgenden Tage in ein großes Zelt gebracht, in welchem der König, vonseinen Visieren umgeben, saß. Der König schien schon von Allem unterrichtet, dennsobald er mich sah, sagte er: Du Mensch hast den Sohn dieses Genius umgebracht?und deutete dabei auf den Geist, der mich auf die Insel getragen. Verzeihe, mächtigerKönig! rief ich; ich habe den Sohn dieses Genius nie gesehen: ich weiß nicht, ob er