Druckschrift 
4 (1841)
Entstehung
Seite
539
Einzelbild herunterladen
 

Achthundert und achl»i,dstcbe»z>§ste "Nacht.

viel Zeit brauchst du?" fragte er einen derselben,um Jb» Ta mim nach Medina zutragen?"Ich fordere nur einen Tag und eine Nacht," antwortete der Genius,um diese Strecke, zu der ein Mensch fünfhundert Jahre braucht, zurückzulcgeii."Das ist zu viel," sagte der Sultan erzürnt.Und du?" fragte er einen Andern,inwie viel Zeit legst du den Weg nach Medina zurück?"In einem Tage."Auchdas ist zu lang. Und du?" fragte er einen Dritten.In einem balbeu Tage." DerSultan war auch damit nicht zufrieden und fragte Einen nach dem Andern, bis erzuletzt einen Genius fand, der sich erbot, Jbn Ta mim in einer Viertelstunde nachMedina zu bringen. Er lehrte dann Jbn Tamim einen heiligen Namen, mit welchemer den Genius im Gehorsam erhalten sollte, und empfahl ihm, während der ganzenReife ihn unaufhörlich auszurufen.Unterläßt du eS einen Augenblick," sagte ihm derSultan,so entschlüpft dir der Genius und du fällst auf die Erde herab." Jbn

Tamim dankte dem Sultan, nahm Abschied von ihm und seinen drei Söhnen, welche

über die Abreise ihres Meisters viele Thränen vergossen, bestieg den Rücken des luftigenBoten und sagte unaufhörlich den heiligen Namen her, den ihn der Sultan gelehrthatte. Der Genius stieg mit ihm in die Höhe bis zum ersten Himmel oder dem Himmelder Welt, wo er ein Loblied hörte, welches die Engel dem Allmächtigen sangen.Ihrerseits hörten die Engel den Namen Gottes, den Jbn Tamim fortwährendwiederholte, und als sie, darüber erstaunt, einen Blick herab auf ihn und den ihntragenden Genius warfen, glaubten sie, ein böser Genius trage einen Gläubigen gegenseinen Willen davon; sie schleuderten daher einen jener Sterne gegen ihn, deren dieEngel sich als Steine bedienen, um die Teufel zu versagen, wenn sie an den Spaltendes Himmels ihre Gespräche belauschen wollen. Der Genius ward zu Asche, und JbnTamim fiel eine Strecke von fünfhundert Jahren hoch herunter, bald aufrecht stehend,

bald mit dem Kopfe nach der Erde zu, bald auf der einen und bald auf der andern

Seite liegend.

Als er wieder die Erde erreichte, befand er sich auf dem Gipfel eines weißenBerges, an dessen Fuße ein Bach sich durch allerlei mit Frucht beladene Bäumeschlängelte. Er kam unverletzt auf den Boden, denn der heilige Name, den er stets imMunde hatte, bewahrte ihn vor einem allzujähen Sturze. Sobald er den Bach amFuße des Berges erblickte, ging er darauf zu, wusch sich darin und betete; dann pflückteer einige Früchte und sie. Gegen Abend hielt er es für rathsam, wieder den Bergzu besteigen, um sicherer vor wilden Thieren zu seyn; aber zu seinem großen Erstaunenwar der Berg nicht mehr weiß, sondern ganz schwarz. Demungeachtet stieg er hinauf