Achthundert und zweiundsechzigste Nacht.
sie den Boten, ob er mich mit eigenen Augen gesehen, und als er bei ihrem Lebenschwor, er habe mich bei der Königin gesehen, nahm sie ihn freundlich auf und ließsogleich ihren Truppen den Befehl crtheilen, daß sie sich zum Aufbruche nach derGrenzeninsel, wo die Königin Schuhba residirte, rüsten. Jedermann erstaunte überdiesen Befehl, denn zwischen Turaja und Schuhba herrschte seit ihrer frühestenJugend ein bitterer Haß. Sie waren nämlich die einzigen Töchter des Königs Farkad,und jede von ihnen wollte am meisten von ihrem Vater geliebt seyn. Auch behauptetejede von ihnen, es in der Zauberkunst, die sie ihr Vater lernen ließ, am weitestengebracht zu haben. Ihre gegenseitige Eifersucht ward zuletzt so groß, daß sie einenTag bestimmten, wo sie auf einem öffentlichen Platz im Angesichte der ganzen Stadtihrer langen Fehde durch eine» Zweikampf ein Ende setzen wollten. In diesem Kampfeward Schuhba tödtlich verwundet, ja man trug sie sogar ganz leblos vom Kampfplatz.Der König Farkad, in dessen Abwesenheit Alles dies vorgefallen war, kehrte ebenvon einer Neise zurück, als man seine Tochter Schuhba in ihr Schloß brachte; erließ sogleich die besten Aerzte rufen und war außer sich vor Freude, als sie die Wundefür nicht lebensgefährlich erklärten. Schuhba öffnete die Augen wieder, sobald dieAerzte ihre Wunde mit einem Pulver bestreuten und ihr etwas Wein eingossen, undnach einigen Wochen war sie wieder vollkommen geheilt. Aber der Gedanke, von ihrerverhaßten Schwester vor den Augen aller Großen des Reichs und aller Häupter derArmee besiegt worden zu seyn, drückte sie so sehr, daß sie gar nicht mehr auszugehenLust hatte, und der Aufenthalt in ihrer Heimath ihr unerträglich ward. Sie bat daherihren Lehrer, ihr eine entfernte Insel aufzusuchen, wo sie mit ihren Getreuen ein neuesReich gründen könne. Ihr Lehrer sandte sogleich die ihm ergebenen Genienhäuptcr aufKundschaft aus; sie durchstreiften alle Länder der Welt und fanden keinen angenehmeren,noch unbewohnten Aufenthaltsort, als die Insel, welcher sie wegen ihrer Fruchtbarkeitund reizenden Lage den Namen Völlkommenheitsinsel gaben. Als sie mit dieserNachricht zu ibm zurückkehrten, befahl er ihnen, sich mit ihren Truppen zur Reisevvrzubereitcn, dann begab er sich zum König Farkad und sagte ihm: „Wenn dir dasLeben deiner Tochter Schuhba theuer ist, so willige in ihre Entfernung von diesemLande; du siehst, wie sie täglich an Kraft und Gesundheit abnimmt, ihr Gemüthszustandbedarf durchaus einer Luftveränderung, und schon habe ich einen Aufenthaltsort für siegewählt, wo sie, so Gott will, bald wieder genesen kann." Der König antwortetehierauf: „Du weißt, verehrter Meister, daß meine Tochter Schuhba mein Leben undmeine Seele ist, und daß mir nichts schmerzlicher seyn kann, als eine Trennung von