Druckschrift 
4 (1841)
Entstehung
Seite
415
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Achthundert und fünfundbierzigstc Illucht.

und betet zu Gott um Verzeihung eurer Sünden, denn heute ist der letzte Tug aufdieser und unser erster auf jener Welt." Die Thiere hatten das Schiff schon von allenSeiten umzingelt und waren schon im Begriffe, hinaufzuspriligen, als auf einmal einheftiger Wind sich erhob, der das Schiff wie einen fliegenden Stern über sie wegtrieb;da jubelte Alles, was auf dem Schiffe war, und der Hauptmann warf, vor Freudeaußer sich, seinen Turban in die Höhe. Wir setzten nun bei immer günstigem Winde,klarem Himmel und ruhiger See unsere Reise dreißig Tag lang fort: der Eine sang,der Andere recitirte Gedichte, der Dritte erzählte Mährchen, so daß uns die Zeit rechtangenehm verstrich. Am einunddrcißigsten Tag aber bemerkten wir am Himmel einenschwarzen Punkt, nicht größer als ein Drachm, und bald darauf wehte eine schneekalteLuft, so daß wir Alle unsere Winterkleider anzogen.

Der schwarze Punkt dehnte sich indessen immer mehr aus, bis er zuletzt sich überden ganzen Himmel verbreitete und man den Aufcrstehungstag nahe glaubte. Baldblitzte und donnerte es von allen Seiten her, die Wolken vcrgoßen Thränen wie ausWasscrschläuchen, die See kochte und schäumte und trieb das Schiff im Kreis umher.Wir waren alle beschäftigt, das Wasser aus dem Schiffe zu schöpfen, das der offeneHimmel und das aufbrausende Meer zugleich füllten- aber bald fiel ein so zerschmetternderHagel, daß wir nicht mebr auf dem Verdecke bleiben konnten, und kaum waren wirheruntergesticgen, als vier Wellen wie die höchsten Berge von verschiedenen Seiten hergegen das Schiff schlugen und es so zerschmetterten, daß das größte Brett nur dieGröße einer Schiefertafel behielt; Alles, was auf dem Schiffe war, sank in den Abgrund,nur ich hielt mich an einem Sack Mehl fest, das bekanntlich (?) vierzig Tage lang sichauf der Oberfläche des Wassers erhält, und schwamm darauf zwei Tage und zwei Nächteumher, von den Wellen manchmal bis zu den Sternen hinauf und wieder bis in denAbgrund hinunter geschleudert. Aber am dritten Tage war ich so sehr von Hunger undDurst geschwächt und von der Nässe und Kälte erstarrt, daß ich nicht mehr Kraft genughatte, mich an dem Mehl fest zu halten. Indessen hielt ich mich doch mit Hülfe derWellen noch bis gegen Abend auf der Oberfläche des Wassers, da ich aber nicht mehrhoffen konnte, die Nacht zu überleben, hörte ich auf zu schwimmen und wollte durcheinen schnellen Tod meinen Leiden ein Ende machen, als ich auf einmal etwas wieein großes Feuer mitten auf dem Meere vor mir sah. Jetzt strengte ich von Neuem alletneiue noch übrige Kraft an, um mich dem Feuer zu nähern. Bald bemerkte ich aber, daßich ein großes goldenes Schloß, von vier riesenhaften Genien getragen, für ein Feuer-gehalten, denn es war so hell beleuchtet und so reich mit funkelnden Edelsteinen verziert,