Achthundert und vierunddreißigste Nacht. ZfZ
und weinte. Da erschien mir ein Geist und fragte mich: ,Warum weinst du so?^ Ichantwortete: ,Weil ich nicht weiß, wo mein Gatte hingekommen ist, der, solange er bei mirwar, mich mit allem Röthigen versorgte/ — ,Dein Gatte/ sagte der Geist, ,ist jetzt Sultander Stadt Jchtian; wenn du willst, so trage ich dich zu ihm/ Ich bat ihn, es zu thun,und er nahm mich auf seinen Rücken, flog mit mir eine Weile in der Luft zwischenErde und Himmel, dann setzte er mich in diesem Schlosse ab, bezeichnte mir deinSchlafzimmer und sagte: ,Hier liegt dein Gatte/ So ging ich denn herein, in derHoffnung, du werdest mich nicht verstoßen." Sie bat dann so lang um Erlaubniß, bei ihmzu bleiben, bis er ihren Wunsch erfüllte, jedoch drohte er ihr mit dem Tode bei derersten Bosheit, die sie wieder gegen ihn ausüben würde. „Hier," sagte er, „fürchteich deine Klagen nicht,, denn ich besitze einen Ring, mittelst welchem ich nur Gott zufürchten habe; sobald ich daran reibe, erscheint mir ein Geist, der alle meine Befehlevollzieht. Ich lasse dir die Wahl, ob du nach Hause zurückkehren willst, da sollst duso viel Geld haben, daß du bis zum Tode im Ueberflusse leben kannst, oder ob du beimir zu bleiben wünschest, da räume ich dir eine herrlich möblirte Wohnung im Schlosseein, schcnke dir zwanzig Sklavinnen zu deiner Bedienung und verschaffe dir die schönstenKleider und die schmackhaftesten Speisen und Getränke." Fatma wünschte bei ihm bleibenzu dürfen, und lebte einige Zeit wie eine Königin.
Bald hatte sie aber großes Mißfallen an Marufs Sohn und noch größer» Aergerüber Maruf selbst, der bei aller Fürsorge jedoch nicht mehr als Gatte mit ihr lebte,denn sie war alt und hatte ihn zu tief gekränkt. Sie ließ sich daher vom Teufel dieIdee eingebcn, sich des Ringes zu bemächtigen, ihn zu tödten und selbst den Thron zubesteige». So schlich sie eines Nachts aus ihrem Gemache in das Marufs im Augen-blicke, wo er herausging und sie wohl wußte, daß sein Ring auf dem Kiffen lag. AberMarufs Sohn hatte sie gesehen, und es war ihm aufgefallen, daß seine Stiefmutterzu einer ganz ungewöhnlichen Stunde in seines Vaters Schlafzimmer gehe; er folgteihr daher leise mit einem Schwerte umgürtet, das er schon als Kind trug, und als er-sah, daß sie den Ring nahm, sich damit freute und schon daran reiben wollte, zog ersein Schwert und schlug ihr den Hals ab. Maruf umarmte seinen Sohn und verspotteteihn nicht mehr wegen seines Schwertes. Am folgenden Tage ließ er Fatma beerdigenund bald darauf heirathete er die Tochter des Bauers, der ihn auf seiner Flucht bewirthethatte, und ernannte seinen Schwiegervater zu seinem Großvizier. So lebte er nochviele glückliche Jahre, bis der allen Freuden ein Ende machende Tod ihn heimsuchte.Gepriesen sey der Ewigdauernde!