Druckschrift 
4 (1841)
Entstehung
Seite
87
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Siebenhundert nnd siinsundsiinszigste Ulacht. ^

Ich reiste dann nach Baßra, begab mich vor den Palast des Chalifen und wartete, bisHarun Arra schid herauskam; dann trat ich ihm in den Weg und gab ihm den Rubin.Sobald er ihn sah, fiel er in Ohnmacht. Die Diener hielten mich an; aber als erzu sich kam, sagte er ihnen, sie möchten mich nur loslasscn, ließ mich in's Schloß führen,und als ich in seinem Zimmer war, fragte er mich:Was hat Gott über den Eigenthümerdieses Rubins verhängt?"Er ist gestorben," antwortete ich, und erzählte ihm, wasich von ihm wußte. Da schrie er schluchzend:Der Sohn hat das Bessere gewählt undder Vater wird zu Schande!" Dann rief er einen Frauennamen; da trat eine Frauheraus, die, als sie mich sah, wieder zurücktreten wollte; aber der Chalif sagte ihr:Bleibe nur, du brauchst vor diesem Mann dich nicht zu verbergen," und warf ihr denRubin zu. Sobald sie ihn sah, stieß sie einen Schrei aus und fiel in Ohnmacht. Alssie wieder zu sich kam, sagte sie:O Fürst der Gläubigen! was hat Gott über meinenSohn verhängt?" Der Chalif bat mich, es ihr zu sagen, denn er konnte vor Thränennicht sprechen. Als ich ihr seinen Tod erzählte, weinte sie und rief mit herzzerreißenderStimme:O wie sehne ich mich nach dir, Freude meines Auges, o könnte ich dir dochzu trinken geben, wenn Niemand es thut! O könnte ich dich doch unterhalten, wennes dir unheimlich wird!" Ich fragte dann:O Fürst der Gläubigen! war denn dieserJüngling dein Sohn?"Ja wohl," antwortete Harun Arraschid:er besuchte oftdie Gelehrten und Frommen, ehe ich zum Chalifen erhoben worden, sobald ich aber dieNegierung antrat, wollte er sich von mir entfernen; da sagte ich zu seiner Mutter:Dein Sohn will abgeschieden von uns nur Gott allein leben; er wird gewiß hartgeprüft werden und in große Noth kommen, gib ihm daher diesen Rubin, damit er inder Noth Etwas habe; ich gab ihr also diesen Rubin, und sie drang in ihn, bis erihn annahm; so verließ er uns, und wir haben ihn nicht wiedergesehen, bis er ausunsrer Welt geschieden, um mit reiner Seele vor seinen erhabenen Herrn zu treten."Dann sagte der Chalif:Komm mit mir und zeige mir sein Grab!" Als wir dortanlangten, weinte und seufzte er lange, betete für seinen Sohn und rief:Wir sindGottes und zu ihm kehren wir zurück." Dann bot mir der Chalif eine Stelle an; ichschlug sie aber ab und sagte:Ich habe eine Lehre von deinem Sohne angenommen,"und rccitirte folgende Verse:

Ich bin ein Fremdling, gehöre Niemanden an, wo ich auch weile; ich binein Fremdling, habe weder Frau noch Kind; meine Herberge sind die Moscheen,von denen nie mein Herz sich trennt, und dafür danke ich Gott, dem Herrnder Welten."