Druckschrift 
4 (1841)
Entstehung
Seite
80
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HO Siebenhundert und dreiuiidfiiiifzigstc Nacht.

Jbn Alpharbi nnd Masrur.

Man erzählt noch: Harun Arraschid war eines Nachts sehr mißmuthig. Er

ließ seinen Vizier Djafar, den Barmekidcn, rufen nnd sagte ihm:Ich kann nicht

einschlafen vor Beklemmung und weiß gar nicht, was ich anfangcn soll. Masrur,der dabei stand, als Harun Arraschid dies sagte, fing laut zu lachen an. Dafragte ihn der Chalif:Warum lachst du? Spottest du meiner?" Masrur antwortete:Nein, bei Gott und deiner Verwandtschaft mit dem höchsten Propheten, ich lachte nichtüber dich, sondern mir fiel ein Mann ein, den ich gestern, als ich ausging, am Uferdes Tigris von vielen Menschen umgeben sah, die er durch seine spaßigen und witzigenEinfälle lachen machte; drum verzeihe, o Fürst der Gläubigen!" Harun Arraschidsagte:Hole mir sogleich diesen Mann!" Masrur eilte zu ihm er hieß JbnAlpharbi und sagte ihm:Der Fürst der Gläubigen wünscht dich zu sprechen;ich will dich zu ihm führen, jedoch unter der Bedingung, daß, wenn er dir etwasschenkt, du nur ein Viertel davon behältst und das Uebrige mir gibst." Jbn Alpharbi

erwiderte:Das nicht; aber ich will das Geschenk mit dir theilen." Nach langem

Streite kamen sie endlich dahin überein, daß Jbn Alpharbi ein Drittel behaltenund MaSrur zwei Drittel geben sollte. Als Jbn Alpharbi vor dem Fürsten derGläubigen erschien, sagte ihm dieser:Wenn du mich durch deine Späße lachen machst,so werde ich dich beschenken, wo nicht, so sollst du drei Schläge mit dieser ledernenTasche erhalten." Jbn Alpharbi machte allerlei Späße und sagte Dinge, worüber derbärteste Felsen hätte lachen müssen, aber alle seine Mühe war vergebens, HarunArraschid war zu keinem Lächeln zu bringen, und er sagte zu Jbn Alpharbi:Nunhast du deine Schläge verdient." Man holte die lederne Tasche herbei, und als er denersten Hieb auf seinem Rücken empfing, schrie er jämmerlich und erinnerte sich desVertrags, den er mit Masrur geschlossen, und sagte:Verzeihe, Fürst der Gläubigen,erlaube mir zwei Worte zu sprechen." Harun Arraschid fragte ihn: was er zu sagenhabe. Er erwiderte:Ich bin mit Masrur übereingekommen, daß ich ihm zweiDrittel der Gaben deS Fürsten der Gläubigen überlassen und nur ein Drittel für michbehalten wollte, und zwar kostete es mich noch viele Mühe, bis er mir das Drittelzugestand; nun ist der eine Hieb genug für mich, die andern beiden kommen ihm zu;hier steht er, laß ihn seinen Antheil nehmen!" Der Fürst der Gläubigen lachte und