! ZO Siebenhundert und neununddreißigste Nacht.
Der Mann ward darüber krank nnd grämte sich so sehr, daß alle seine Kräfte schwandenund er so schwach und mager ward, daß seine Liebe kein Geheimniß mehr blieb. Langebaten seine und ihre Verwandten seine Geliebte, sie möchte ihn doch besuchen, aber sieweigerte sich, bis er dem Tode nahe war. Erst als sie sein nahes Ende vernahm,bemitleidete sic ihn und entschloß sich, ihn zu besuchen. Als er sie erblickte, flössen seineAugen in Thränen über und er sprach folgende Verse:
„Siehst du meinen Leichenzug vorübcrzichen, so folge doch und grüße denVerschiedenen, der dem Grabe überlassen wird."
Das Mädchen sagte weinend: „Ich dachte nicht, daß es so weit mit dir gekommenwäre, aber bei Gott, ich will dir Alles gewähren, was du von mir forderst." Da recitirteer weinend folgenden Vers:
„Sie nahet mir, wenn Todesschattcn uns trennen, und will mir gehören,wenn ich sie nicht mehr besitzen kann."
Dann athmete er tief und verschied. Das Mädchen weinte, küßte ihn und fiel inOhnmacht, und nach drei Tagen starb auch es und wurde in sein Grab gelegt.
Geschichte des Dichters Mntalammes.
Ferner wird erzählt: Der Dichter Mntalammes mußte einst vor Nu man, demSohne Munzirs, entfliehen, und er blieb so lange abwesend, daß man ihn für tvdthielt. Er hatte eine schöne Frau, welche Umcima hieß und ihn so innig liebte, daßsie lange keinen Andern heirathen wollte, so sehr auch ihre Familie sie darum bat. Dochendlich wurde ihr so viel zugeredet und fast Zwang angethan, daß sie nachgeben mußteund mit einem Manne aus ihrem Stamme sich verlobte. Mutalammes kam abergerade zur Hochzeitsnacht von seiner Reise zurück. Er hörte Musik und Freudengesangund jubelnde Frauen, und fragte einen Knaben: was denn für ein Fest gefeiert werde.Der Knabe antwortete: „Die Gattin Mutalammes' verheirathet sich wieder dieseNacht." Als Mutalammes dies hörte, mischte er sich verkleidet unter die Frauenund sah, wie der Bräutigam neben seiner Frau saß und sie küssen wollte. Sie aberseufzte und sprach weinend: „O wüßte ich doch bei so vielen heranstürmenden Unglücks-fällen, wo du weilest, o Mutalammes!" Dieser antwortete: „O du meine Heimath!o Umeima! wisse, daß ich mich stets nach dir sehnte, so oft die Karavane ihre Zelte.