2^ Siebenhundert und stcbeiinnddreihigstc Nacht.
Großen zu ermorden." Der Vizicr erwiderte: „Nicht sie allein sind schuldig; sie sindwie schöne Waarcn, die wohl Käufer herbeilockcn, doch Niemanden zwingen, sie zukaufen." Da sagte der König: „Ich sehe, daß du die Schuld aus mich laden willst,und du hast ganz Recht." Der Vizier erwiderte: „Das wollte ich zwar nicht, o König,doch Gott hat uns Macht über uns selbst gegeben, wir können dem Bösen widerstehen,wenn wir wollen. Gott will nur unser Bestes, durch unser» eignen Willen aber neigenwir uns zum Schlimmen hin; doch setzt ist nichts mehr zu tbun, als das Gewand derThorheit mit dem des Verstandes zu vertauschen, die Begierden zu besiegen und denGeboten des Herrn zu folgen, Gott wird dir dann verzeihen, dir heitere Tage schenkenund allen deinen Feinden Ehrfurcht vor dir einflößen." Der König versprach demVizicr, der ihn aus so großer Noth gerettet, ihm in Allem zu gehorchen, alle seineVorschläge anzunchmen und alle seine Handlungen zu billigen. Auf den Rath desVizicrs wurden dann alle Gelehrten versammelt und sieben neue Viziere gewählt, dieFrauen des Königs aber in das Haus lebenslänglich cingesperrt, wo die Ermordetenlagen; so fielen sie selbst in die Grube, die sie Andern gegraben. So viel ist uns vondieser wunderbaren Geschichte zugckommen.
Geschichte der »mglücklichen Frau mit dem Bettler.
Man erzählt unter Andern: Ein König verbot einst seinen Unterthanen, Almosen
zu geben, und ließ Jedem, der diesem Verbote zuwider handelte, die Hand abschneidc»,so daß Niemand mehr es wagte, den Armen etwas zu schenken. Eines Abends kamein hungriger Bettler zu einer Frau und forderte Almosen. Da sagte ihm die Frau:„Wie kann ich dir etwas geben? der König läßt sa Jedem die Hand abhauen, welcherAlmosen reicht." Aber der Bettler beschwor sie so lange bei Gott, sie möchte ihm dochEtwas geben, daß sie seinen Bitten nicht widerstehen konnte und ihm zwei Laib Drodschenkte. Sobald der König dies erfuhr, ließ er die Frau rufen und ihre beiden Händeabschneidc». Nach einiger Zeit sagte der König zu seiner Mutter: „Ich möchte gernheirathen, wähle mir doch eine schöne Frau." Seine Mutter antwortete: „In unsererNachbarschaft lebt die schönste Frau, die man je gesehen hat; aber sie hat beide Händeverloren. Der König wünschte sic zu sehen, und als sie vor ihm erschien, ward er sobezaubert von ihrer Schönheit, daß er sie heirathete. Aber die Nebenbuhlerin dieserFrau beneidete sie so sehr, daß sie sie dem König als ein schlechtes Frauenzimmer