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Die Darwinsche Theorie und die Sprachwissenschaft : offenes Sendschreiben an Herrn Dr. Ernst Haeckel
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wohl tlmnlich unser Sippenbild genau auszuführen, dieMundarten (Varietäten) sind überall nur angedeutet wor-den ; die Spaltungen des eranischen und indischen Astesmusten wir hinweg lassen.

Was unser Bild besagt, lässt sich mit Worten etwafolgender Maassen ausdriicken.

ln einer früheren Lehensperiode des Menschen-geschlechtes gab es eine Sprache, die wir aus den ausihr hervorgegangenen indogermanisch genannten Spra-chen ziemlich genau erschlossen können 1 ), die indoger-manische Ursprache. Nachdem sie von einer Reihe vonGenerationen gesprochen ward, während dem wahrschein-lich das sie redende Volk sich mehrte und ausbreitete,nahm sie auf verschiedenen Theilen ihres Gebietesganz allmählich einen verschiedenen Charakter an, sodass endlich zwei Sprachen aus ihr hervorgingen.Möglicher Weise können es auch mehrere Sprachen ge-wesen sein, von denen aber nur zwei am Lehen blie-ben und sich weiter entwickelten; dasselbe gilt auchvon allen späteren Theilungen. Jede dieser beidenSprachen unterlag dem Differenzierungsprozesse nochzu wiederholten Malen. Der eine Zweig, den wirnach dem, was später aus ihm ward, den sl awodeutsche nnennen wollen, theilte sich abermals durch allmählicheDifferenzierung (durch die fortgesetzte Neigung zurDivergenz des Charakters, wie es bei Darwin heisst)in deutsch und slawolettisch, von denen das erstere

*) In Bezug auf die grammatischen Formen habe ich diesen Ver-such gemacht in meinem Compendium der vergleichenden Grammatikder indogermanischen Sprachen, Weimar, Böhlau 1861. 1862. [dritteAufl. 1871.]