Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
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808
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' 808 Zweihundert und achtundzmanzigste Nacht.

Nachdem der Geist Beide eine Weile verglichen hatte, ohne sich entscheiden zukönnen, sagte er zu Maimunen:Herrin! ich bekenne, ich würde dich täuschen undmich selbst hintergehen, wenn ich dir sagte, daß ich Eins von ihnen schöner fände, alsdas Andere. Je mehr ich untersuche, desto mehr scheint mir, daß Jedes, soviel ichdavon verstehe, im höchsten Grade die Schönheit besitzt, in welche sie sich gcthcilthaben; und Keines hat den mindesten Fehl, vermöge dessen man sagen könnte, daß csdem Andern nachstehe. Sollte aber Eines oder das Andere dergleichen haben, so gibtes meiner Meinung nach nur ein Mittel, sich darüber anfzuklären. Das ist, sie nacheinander auszuwecken und sich dahin zu vereinigen, daß, welches sür das Andere durchseine Glut und Heftigkeit und selbst durch sein Entzücken mehr Liebe bezeigt, gewissermaßenauch weniger Schönheit habe."

Der Rath gefiel Maimunen und Dahnesch, und Kaschkasch fragte dieErstere, ob er ihren Liebling aufwecken solle. Auf ihre Bejahung verwandelte er sichin einen Floh und sprang auf Kamr essamans. Hals. Er stach ihn so heftig, daßer nufwachte und mit der Hand nach der Stelle fuhr; aber er fing nichts. Denn derGeist war schleunig zurückgesprungen und hatte seine gewöhnliche, wiewohl gleichden beiden andern Geistern einem sterblichen Auge unsichtbare Gestalt wieder angenommen,um Zeuge zu sepn, was er thun würde.

Als der Prinz seine Hand zurückzog, fiel sie auf eine andere Hand, die zarter undweicher anzufühlen war, als frische Butter. Er schlug die Augen auf und war höchsterstaunt, etwas der Länge nach neben sich liegen zu sehen. Er hob das Haupt emporund stützte sich auf den Ellenbogen, um es näher zu betrachten. Da lag vor ibm einMädchen, schön wie der Mond oder die Sonne, wie eine aufgeputzte Braut oder einekostbare Perle, von schlankem Wuchs und holden Zügen, wie der Dichter sagt:

Vier Dinge haben sich vereint, um mein Herz zu verwunden und meineAugen zu röthcn:

Das Licht der Stirne, die Nacht der Haare, die Rose der Wangen unddie Perle» des lächelnden Mundes."

Die blühende Jugend der Prinzessin und ihre unvergleichliche Schönheit entzündetenin einem Augenblick ein Feuer in ihm, sür welches er immer unempfindlich gewesenwar und wovor er sich bisher mit so viel Scheu gehütet hatte. Wie er sie so daliegen sah, in dem seinen, goldgestickten Hemde, das die Reize ihrer Gestalt nur halbverhüllte, die bloßen Arme mit kostbaren Spangen, die Hände mit Ringe», und Hals