Vierzigste V a ch t. 179
Die Wirthin mußte, so aufgebracht sie war, doch lachen, und wandte sich dann zuden übrigen Gäste» und sprach: „Saget mir, wer ihr seyd, ihr habt nur noch kurzeZeit zu leben, wenn ihr nicht darthut, daß ihr vornehmen Standes, hohe Richter, oderHäupter eures Volks seyd, sonst habt ihr wahrlich zu viel gegen uns gewagt."
Als der Chalif dies hörte, sagte er: „Djafar, entdecke ihr eilig, wer wirsind, sie möchte uns sonst aus Unkenntniß umbringen lassen." Djafar erwidertehierauf: „Du hättest dies wohl zum Theil verdient." Der Chalif sagte ihm zornig:„Es ist jezt keine Zeit, dich über mich lustig zu machen." Indessen fragte die Wirthindie Kalender, ob sie Brüder sehen; diese antworteten: „Nein, wir sind weder Brüder,noch arme Derwische." — „Bist du halbblind geboren?" fragte sie den Einen. „Nein,bei Gott," crwiedcrte er, „in meinem Leben haben sich so außerordentliche Begebenheitenereignet, daß wenn sie mit einer Nadel in das hohle Aug gestochen wären, sich ein Jederdaraus belehren könnte; erst später verlor ich ein Auge, dann ließ ich meinen Bartabschneiden und ward Kalender." Nachdem die Wirthin, welche einen jeden der Ka-lender dasselbe gefragt, von Jedem dieselbe Antwort erhielt und der Lezte noch hinzusezte,jeder von ihnen scy aus einer andern Stadt, Sohn eines Königs und selbst Regent, dasagte die Wirthin den Sklaven: „Verschonet Den, der mir seine Lebensgeschichte undden Grund, warum er hiehergekommen, erzählt, und bringt denjenigen um, der dies zuthuNf sich weigert."
Schehersad bemerkte den Tag und schwieg; in der folgenden Nacht fuhr sie fort: